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„Es fängt unschuldig an“

Der britische Kardiologe Peter Wilmshurst kämpft seit Jahrzehnten gegen die Pharmaindustrie. Sie brachte ihn um viel Geld und fast um seinen Ruf. Aber es habe sich gelohnt, sagt er.

ANDREW FOX / DER SPIEGEL
von
Rafaela von Bredow
und
Veronika Hackenbroch
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Wilmshurst, 66, so schrieb 2012 das renommierte "British Medical Journal", sei ein absoluter Ausnahmefall: ein Whistleblower, der erfolgreich ist – und trotz allem eine Frohnatur. Der Mediziner, der heute im westenglischen Shrewsbury lebt und nur noch in Teilzeit als Kardiologe arbeitet, führte während seines Wirkens als Forscher Studien für Pharmakonzerne und Medizinproduktehersteller durch – doch anders als viele Ärztekollegen zögerte er nie, auch negative Studienergebnisse publik zu machen. Weder jahrelange Prozesse noch Bestechungsgelder brachten ihn zum Schweigen. Heute berät und unterstützt er mit der Organisation "Patients First" andere Whistleblower.

SPIEGEL: Dr. Wilmshurst, ein Pharmakonzern offerierte Ihnen in Ihren Anfangsjahren als Forscher einmal zwei Jahresgehälter – man wollte Sie daran hindern, negative Studienergebnisse zu veröffentlichen. Waren Sie enttäuscht, dass Sie denen nicht mehr wert waren?

Wilmshurst: (lacht) Ich war eher überrascht, überhaupt Geld angeboten zu bekommen. Ich war noch relativ jung, 33, und wusste nicht, dass es vorkommt, dass einem Geld angeboten wird, um Daten zu verheimlichen.

SPIEGEL: Wie lief das ab? Die Pharmamitarbeiter haben ja wahrscheinlich nicht zu Ihnen gesagt: "Voilà, hier ist Ihr Bestechungsgeld, schlagen Sie ein?"

Wilmshurst: Nein, natürlich nicht! Zuerst haben wir über meine Forschungsergebnisse gesprochen. Das Medikament, das ich für…

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Nr. 37/2015