Lesezeit 8 Min
Verbrechen

Entfesselte Pläne

Kann man islamistische Gefährder mit elektronischen Fußfesseln unter Kontrolle halten? Sicherheitsbeamte und Rechtsexperten sind skeptisch.

TIM WEGNER / DER SPIEGEL
von
Matthias Bartsch
,
Maik Baumgärtner
,
Martin Knobbe
,
Jörg Schindler
und
Wolf Wiedmann-Schmidt
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Verbrechen

Als "HE 10" in Osthessen aus dem Blickwinkel der Satelliten verschwindet, geht rund hundert Kilometer weiter südwestlich ein Alarm los: "Ausschlussverletzung Hünfeld" ploppt plötzlich auf einem großen Bildschirm an der Wand eines kargen Büros der hessischen Justizverwaltung in Bad Vilbel auf. Für die beiden Bediensteten sieht es einen Moment lang so aus, als habe einer ihrer Probanden gerade eine verbotene Grenze überschritten.

Kurze Zeit später Entwarnung. Der Mann hatte sich wohl nur der Zone genähert, sie aber nicht betreten. Das System hatte vorsorglich Alarm gemeldet, als die Satellitensignale nicht ausreichten, um den exakten Standort zu bestimmen.

"HE 10" ist die Codenummer einer elektronischen Fußfessel. Der Mann, der sie trägt, saß wegen zwei Mordversuchen lange im Gefängnis. Die Richter halten ihn noch immer für gefährlich, deshalb darf er sich nach seiner Entlassung nur unter strengen Auflagen in Freiheit bewegen. Wenn er den Wohnorten seiner früheren Opfer zu nahe kommt, verrät ihn ein GPS-Satellitenempfänger in einer etwa zwölf Zentimeter langen, 180 Gramm schweren Box. Sie ist mit einem Plastikband knapp über seinem Fußknöchel befestigt.

Überwacht werden die Bewegungen von "HE 10" in der "Gemeinsamen elektronischen Überwachungsstelle der Länder" (GÜL) nahe Frankfurt am Main. Dort, im Erdgeschoss eines ehemaligen Gerichtsgebäudes, behalten 16 Justizbedienstete im Schichtbetrieb 88 Fußfesselträger aus elf Bundesländern im Blick,…

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Nr. 3/2017