Lesezeit 16 Min
Gesellschaft

Einer muss es machen

Kaum etwas fasziniert Amerika so sehr wie die Russlandaffäre seines Präsidenten. Im Land hat sich ein Heer selbst ernannter Ermittler gebildet, die ständig neue Nachrichten zutage fördern. Wer sind diese Leute? Und was treibt sie?

ROBYN TWOMEY / DER SPIEGEL
von
Christoph Scheuermann
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Gesellschaft

Es war Ende Januar vorigen Jahres, als der Bürger Jeff Jetton beschloss, ins Weltgeschehen einzugreifen. Jetton ist Teilhaber eines Restaurants in Washington, das japanische Reisnudeln serviert. Er war gerade auf dem Weg zu seiner Wohnung, als er Jugendliche sah, die rechte Hassparolen brüllten. Einige Häuserblocks entfernt, auf den Stufen des Kapitols, wurde gerade Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt. Jetton sah lachende Neonazis und Provokateure mit rassistischen Plakaten. Es schien, als hätten diese Leute auf diesen Augenblick nur gewartet, auf diesen Präsidenten.

Jeff Jetton war ratlos und zornig, er wollte etwas gegen den Hass tun, der sich von Washington aus über das ganze Land verbreitete. Es müsse doch ein Mittel gegen diesen gefährlichen Clown geben, der gerade ins Weiße Haus einzog, dachte er sich. "Was ist Trumps größte Schwäche? Wo ist er am verwundbarsten?"

Ein Jahr später tritt Jetton in ein Café im Norden Washingtons. Er ist 41 Jahre alt, trägt Jeans, Mütze und einen Fünftagebart. Sein Mobiltelefon legt er auf den Tisch, vorsichtig wie einen Schatz. Er hat anderthalb Jahre nichts anderes gemacht, als der Frage hinterherzujagen, ob Trump im Wahlkampf mit einer ausländischen Macht kooperierte, um gegen Hillary Clinton zu gewinnen. Das große Thema. In seinem Telefon lagern die Trophäen. Trump, der Russlandfreund. Trump, der Putin-Buddy.

Es dauert nicht lange, dann bietet er einem die Handynummer von Donald Trump Jr an, die private E-Mail-Adresse von Paul Manafort, Trumps früherem Wahlkampfhelfer, sowie eine Nummer von Michael Cohen, Trumps Rechtsanwalt. Von Leuten, die auf die eine oder andere Weise in die Affäre verstrickt sind.

Man könnte Jetton für einen Spinner halten, für einen Eiferer oder Verschwörungstheoretiker, aber das ist er nicht. Im großen Panorama des Russlandskandals ist er der couragierte Bürger. Der Demokrat, der Ernst macht. Der nicht alles dem Staat und seinen Institutionen zuschieben will. Er ist einer von Hunderten. Leute wie Jetton fördern Informationen zutage, die Journalisten entgehen, sie haben ein Netzwerk von Tausenden, manchmal Hunderttausenden Followern und Unterstützern, sie bekommen Hinweise zugespielt von überallher, sie decken…

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Nr. 22/2018