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Wirtschaft

In einem anderen Land

Dem Boom in den Städten steht ein kaum beachtetes Ausdünnen ganzer Landstriche gegenüber. Die Folgen für Millionen Menschen sind mindestens ebenso dramatisch – und die Herausforderungen für die Politik gewaltig.

TIM WEGNER / DER SPIEGEL
von
Markus Dettmer
und
Robin Wille
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Wirtschaft

Dreht Christian Kehrer dem Aktenstapel auf seinem Schreibtisch den Rücken zu, hat er die Probleme seiner Stadt direkt vor Augen.

Wenn der Bürgermeister aus dem Fenster seines Amtszimmers blickt, schaut er auf das Eiscafé Lido. Geschlossen. Hinter dem herabgelassenen Metallgitter steht im Eingang noch ein brauner Plastiksessel.

Geht er aus seinem Rathaus auf die Straße, sieht Kehrer auf die leere Brauerei Schmucker mit dem verwitterten Transparent »Vermietung/Verkauf«. 50 Meter weiter steht an der Hauptstraße das Kaufhaus Knoll, von dem niemand mehr auf Anhieb weiß, ob es nun seit 10, 12 oder schon 15 Jahren leersteht. Unten, am hinteren Eingang, hängt ein gelbes, handgeschriebenes Schild: »Kein Pissoir. Achtung! Videoüberwacht«.

Wohnungsnot in Deutschland

Kaum etwas beschäftigt die Deutschen derzeit so sehr wie die Frage nach bezahlbarem Wohnraum. Der SPIEGEL widmet dem Thema deshalb eine Sommerserie: Wir fragen, wie die Wohnungsnot die Gesellschaft verändert, wie gute Wohnungsbaupolitik aussehen sollte und wer die entscheidenden Akteure sind.

Seit acht Wochen ist Christian Kehrer Bürgermeister von Oberzent. Mit mehr als 165 Quadratkilometer Fläche ist das die drittgrößte Stadt Hessens, nur Frankfurt und Wiesbaden sind größer. Der Ort hat viel Wald, aber nur wenige Bürger. Heute leben hier 10 401 Menschen. Vor…

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Nr. 34/2018