Lesezeit 12 Min
Wirtschaft

„Eine wirkliche Waffe“

Roche-Verwaltungsratschef Christoph Franz verteidigt die hohen Preise für neue Medikamente und erklärt, warum er Google als Konkurrenten ernst nimmt.

FLORIAN BÄRTSCHIGER / DER SPIEGEL
von
Martin U. Müller
und
Armin Mahler
Lesezeit 12 Min
Wirtschaft

Franz, 55, heuerte 1990 bei der Lufthansa an. 1994 wechselte er zur Deutschen Bahn und 2004 zur Fluglinie Swiss, die er sanierte und die anschließend von der Lufthansa übernommen wurde. 2011 übernahm er dort den Vorstandsvorsitz. Seit 2014 ist Franz Verwaltungsratspräsident von Roche, dem drittgrößten Pharmakonzern der Welt mit Sitz in Basel. 

SPIEGEL: Herr Franz, die Google-Mutter Alphabet investiert Hunderte Millionen Dollar in die Pharmaforschung. Erwächst Ihnen da ein neuer, gefährlicher Konkurrent? 

Franz: Wir nehmen jeden ernst, der ein Medikament entwickeln kann, das besser ist als eines von uns, ob das Google ist oder ein kleines Start-up. Google entwickelt in seiner Sparte Calico auf der einen Seite klassische pharmazeutische Produkte, Calico soll altersbedingte Leiden untersuchen und heilen. Dies ist unserem Ansatz ganz ähnlich. Auf der anderen Seite ist Google ein Datenunternehmen. Damit bringt es andere Ansätze mit, und die sind für uns eine Herausforderung.

SPIEGEL: Muss Roche mehr wie Google werden, sich zum Datenkonzern wandeln?

Franz: Absolut. Google muss erst die Pharmaerfahrung aufbauen – und wir müssen die Digitalisierung für uns nutzen. Mit den Produkten unserer Diagnostiksparte generieren wir im Jahr 15 Milliarden Tests, also Datenpunkte. Wir haben einen riesigen Datenschatz. Aber wir fangen erst an, ihn zu nutzen. 

SPIEGEL: Wie geht das?

Franz: Nehmen Sie beispielsweise die Daten aus Krankenakten, die ja traditionell auf Papier…

Jetzt weiterlesen für 0,90 €
Nr. 16/2016