Lesezeit 11 Min
Gesellschaft

Eine sehr private Frage

Klinik oder Hausgeburt? Um diese Entscheidung tobt in Deutschland beinahe ein Kulturkampf. Nun ist die freie Wahl des Geburtsorts in Gefahr, weil immer mehr Hebammen aufgeben.

TIM WEGNER / DER SPIEGEL
von
Kristiana Ludwig
und
Cornelia Schmergal
Lesezeit 11 Min
Gesellschaft

Ihr drittes Kind wollte Dorothee Lang nicht in einer Klinik zur Welt bringen. Sie schreckte zurück vor dem Gedanken, sich unbekannten Helferinnen und Ärzten anzuvertrauen. "Ich hatte Angst, mich ihrer Willkür auszusetzen", sagt sie. "Eine Geburt braucht eine entspannte Atmosphäre."

Also nahm die Krankenschwester die Dinge selbst in die Hand. Sie stapelte Laken und Handtücher in ihrem Wohnzimmer, deckte das Sofa mit Latextüchern ab und legte das Telefon mit der Nummer ihrer Geburtshelferin bereit. Ihre Tochter Johanna sollte zu Hause zur Welt kommen.

Die beiden älteren Töchter hatte Lang in einem Berliner Krankenhaus entbunden. Wochen zuvor hatte sie sich eine Beleghebamme ausgesucht, sie vertraute ihr. Die Hebamme begleitete sie in den Kreißsaal, die Geburten waren unkompliziert. Doch als Lang zum dritten Mal schwanger wurde, hatte ihre alte Geburtshelferin aufgegeben. Es lohne sich für sie nicht, Kinder auf die Welt zu begleiten, hatte sie gesagt. Sie könne davon nicht mehr leben.

Im vergangenen September brachte Dorothee Lang ihre jüngste Tochter im heimischen Wohnzimmer zur Welt. Nach Mitternacht setzten die Wehen ein, kurz darauf rief sie ihre neue Hebamme an, und noch vor drei Uhr hielt sie ein gesundes Mädchen im Arm. Im Kinderzimmer schliefen die beiden größeren Töchter. "Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagt Lang. "Aber für mich war es der richtige Weg."

Marina Kröller wird ihr Weg direkt ins Krankenhaus führen, ohne…

Jetzt weiterlesen für 0,89 €
Nr. 23/2015