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Politik

Eine Frage der Haltung

Die Landtagswahlen haben das Drama der SPD offenbart: In Teilen des Landes ist sie nur noch dritt- oder viertstärkste Kraft. Anlass zur Hoffnung gibt es dennoch. Dafür müsste sich die Partei jedoch grundlegend ändern – auch ihr Vorsitzender.

KARSTEN SCHÖNE / DER SPIEGEL
von
Sven Böll
,
Markus Feldenkirchen
und
Horand Knaup
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Politik

Titelbild

Landtagsabgeordneter Hering
„Ich muss selbst mit den Leuten reden“

Die Genossen von Kundert wirken wie die Bewohner des gallischen Dorfs aus den Asterix-Heften. Sie bilden ein kleines, munteres Nest, das sich trotzig gegen die große sozialdemokratische Tristesse im Rest des Landes stemmt.

Kundert, ein Ort mit 250 Einwohnern ist das letzte Paradies der SPD. Es liegt im Norden von Rheinland-Pfalz, nicht weit von Merkelbach entfernt. Hier holten die Sozialdemokraten bei der Landtagswahl vor zwei Wochen nicht 30, nicht 40, nicht 50, sondern 73 Prozent. Nur jeder zehnte Dorfbewohner stimmte für die CDU, die Wähler von FDP, Grünen und AfD ließen sich an ein paar Händen abzählen. "Die überzeugen wir auch noch", sagt die Genossin Renate Gwiß.

Sie lacht, es ist das alte, stolze Lachen der Sozialdemokratie, eine Reminiszenz an jene Jahre, als die SPD eine starke politische Kraft in Deutschland war. Gwiß ist 75 Jahre alt, sie wuchs in Kundert auf und verbrachte ihr Leben in diesem Ort. Vor Kurzem erzählte ihre jüngste Enkelin, sie sei nun auch überzeugt: "Oma, ich wähle SPD." Seither wisse sie, sagt Gwiß, dass ihre Partei eine Zukunft habe. Wenigstens hier.

Der rasante Aufstieg der AfD und der Schwesternkampf der Union haben nur kurz vom sozialdemokratischen Drama ablenken können, das die jüngsten Landtagswahlen offenbarten. In Baden-Württemberg, wo die SPD früher auf über 30 …

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Nr. 13/2016