Lesezeit 9 Min
Geschichte

Ein Mann will nach unten

Uwe Benkel gräbt Jagdflieger aus, die über Deutschland abgestürzt sind. Angehörige danken ihm für den Einsatz, doch Denkmalschützer kritisieren die chaotische Buddelei.

SVEN DOERING / DER SPIEGEL
von
Frank Thadeusz
Lesezeit 9 Min
Geschichte

Morgens um neun steht Uwe Benkel auf einem zugigen Kornfeld in Thüringen und klaubt menschliche Knochen vom Boden auf. Um ihn herum schaufelt ein Bagger ein immer größer werdendes Loch in den Acker. Ein Stück Schienbein taucht im Erdreich auf, dann ein Fingerknochen und ein Stück Rippe. Benkel legt die menschlichen Überreste in einen schwarzen Sarg aus Pappe.

Der Mann, zu dem diese Gebeine gehören, starb einen einsamen, brutalen und sinnlosen Tod. Im April 1945 hatte der Soldat einen deutschen Jagdbomber des Typs Focke-Wulf Fw 190 bestiegen; eine kleine, wendige Maschine, die Lücken reißen sollte in die Phalanx alliierter Bomberverbände. Doch in diesen letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges gab es nichts mehr zu gewinnen für einen Piloten der deutschen Luftwaffe.

Was genau die Maschine zum Absturz brachte, lässt sich heute kaum noch rekonstruieren. Alte amerikanische Luftbilder zeigen, dass das Flugzeug beim Aufprall einen ungewöhnlich großen Krater in das Weizenfeld nahe der Ortschaft Tröchtelborn riss – laut Fachleuten ein Hinweis darauf, dass der Pilot bis zur letzten Sekunde versuchte, sein Flugzeug unter Kontrolle zu bringen.

72 Jahre später steht Uwe Benkel an exakt jener Stelle, an der sich einst der deutsche Jagdbomber in den Boden bohrte. Seine Mission ist die eines Mannes, der unbedingt nach unten will – um jene Trümmerteile aus dem Erdreich zu bergen, die von dem abgestürzten Kriegsgerät übrig geblieben sind.

Noch…

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Nr. 35/2017