Lesezeit 18 Min
Politik

Ein Arbeitsamt für Afrika

Um Fluchtursachen zu bekämpfen, vermittelt Deutschland Jobs in Ghana. Was passiert, wenn deutsche Bürokratie und ghanaische Realität aufeinandertreffen?

RUTH MCDOWALL / DER SPIEGEL
von
Marian Blasberg
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Politik

Wenn der Wind in diesen Tagen den Staub aus der Sahara Richtung Süden wirbelt, schimmert die Sonne auf der Glasfassade in mattem Glanz. Im Erdgeschoss des siebenstöckigen Geschäftsgebäudes schluckt eine Klimaanlage den Lärm der Independence Avenue, über die sich der Verkehr ins Zentrum der ghanaischen Hauptstadt Accra schiebt. Die Wände sind jetzt grau gestrichen. Die neuen Büromöbel sind aus schlichtem schwarzem Holz, und im Wartebereich vor den Beratungszimmern liegen auf einem Ständer ein paar Infoblättchen, die noch nach Druckerschwärze riechen.

Vier Stühle stehen dort. Für den Anfang, glaubt Tette, müsste das genug sein.

David Tette, der aus einem armen Dorf im Osten Ghanas stammt und jetzt so etwas wie der Chef des ersten deutschen Arbeitsamtes südlich der Sahara ist, hat alles dafür getan, um seinen Landsleuten den Eindruck einer seriösen deutschen Behörde zu vermitteln. An einem Morgen im Dezember, kurz nach der Eröffnung, steht Tette in seinem fensterlosen Büro und kramt in einem Regal nach einer Packung Jacobs Krönung, von der er sich, wie er sagt, zurzeit hauptsächlich ernährt; ein kleiner, 55-jähriger Mann mit akkurat gestutztem Schnauzer, Karojackett und Bügelfaltenhose, der sich nie hätte träumen lassen, einmal im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.

Tettes Blick fällt auf ein Foto, das ihn mit stolzem Lächeln neben dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zeigt, als plötzlich einer seiner beiden Jobberater in der Tür erscheint und ihm zuruft, dass da gerade ein junger Mann war, der sich auf eine Stelle bei einer Offshore-Ölfirma in Deutschland bewerben möchte. Tette fasst sich an den Kopf. "Offshore?", ruft er. "In Deutschland?" So geht es jetzt also los.

Gestern standen 13 Mitarbeiter von der Telefonfirma aus dem dritten Stock bei ihm auf der Matte und wollten wissen, ob Tette einen Job in Deutschland für sie habe. Heute früh kam dann ein Hausmeister mit Namen Freewill, der angab, eine Stelle als "Top Manager/Operations Executive" zu suchen, nach Möglichkeit im Ausland.

Tette guckt ein bisschen ratlos.

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Koordinator Tette: „Every German who leaves school, goes to the Arbeitsamt“

"Vielleicht liegt es am Schild", sagt er. "Ghanaian-German Centre for Jobs, Migration and Reintegration", so steht es draußen an der Fassade, und in der Tat könnte man meinen, dass sich in diesen Räumen Wege nach…

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Nr. 7/2018