Lesezeit 13 Min
Gesellschaft

Ehe für alle

Ein lesbisches und ein schwules Paar erzählen von ihren Erfahrungen mit deutscher Toleranz.

JANEK STROISCH / DER SPIEGEL
von
Takis Würger
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Gesellschaft

„Frauen behandeln wir nicht“

Ehe für alle I​: Ein lesbisches Paar erzählt, wie schwierig es in Deutschland für sie ist, Kinder zu kriegen.

Pascale Becker-Czarnetzki, 53, und Heike Czarnetzki, 53, sind seit 30 Jahren zusammen. Sie gehörten in Deutschland Anfang der Neunziger zu den ersten Frauenpaaren, die durch Insemination schwanger wurden. Gemeinsam haben sie drei Kinder großgezogen, Heike bekam Zwillinge, Pascale einen Sohn. Heike Czarnetzki und Pascale Becker-Czarnetzki (im Folgenden zu "Becker" abgekürzt) arbeiten als Biologinnen. Sie leben in Oberboihingen bei Stuttgart, ihre drei Kinder sind heute erwachsen.

SPIEGEL: Frau Czarnetzki, Frau Becker-Czarnetzki, wie lebt es sich als lesbisches Paar im Jahr 2017 in Deutschland?

Becker: Wir haben die Menschen hier immer als tolerant und liebenswert erlebt.

Czarnetzki: Aber wir mussten uns genau überlegen, wie wir unsere Kinder vor dem Staat schützen.

SPIEGEL: Ihre Kinder sind durch Insemination gezeugt worden. Kennen Sie einen schönen Ausdruck für Insemination?

Czarnetzki: Leider nicht. Viele sagen künstliche Befruchtung. Ich mag das gar nicht. Das ist wirklich nichts Künstliches.

Becker: Man hat eine Spritze statt eines Penis.

SPIEGEL: Wie hat der Weg zu Ihren Kindern begonnen?

Becker: Wir haben als Erstes eine Anzeige in der Zeitschrift "Emma" geschaltet. Da stand drin, dass wir Informationen über Insemination in Deutschland suchen. Wir haben keine einzige…

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Nr. 31/2017