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Drei Tropfen Hoffnung

Maddie ist acht Jahre alt und leidet an einer besonders grausamen Form der Epilepsie. Ihre Familie ist, wie viele andere Betroffene, nach Colorado gezogen. Dort gibt es ein Cannabisöl, das Maddies Leben retten soll. Aber keiner weiß, ob es wirklich hilft.

MATT NAGER / DER SPIEGEL
von
Laura Höflinger
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Liz Gorman glaubte an die Kunst der Chirurgen, an Medikamente und klinische Studien; nicht an illegale Drogen. Nicht daran, dass Cannabis ihrem Kind helfen könnte. Also stimmte sie der Hirnoperation zu.

So kam es, dass im Sommer 2013 ein Chirurg die Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften ihrer Tochter durchtrennte. Der Schnitt in die Kopfhaut hinterließ eine Narbe beinahe von Ohr zu Ohr. Es war ein letzter Versuch, das Gehirn des damals sechsjährigen Mädchens zur Ruhe zu bringen.

Denn in Maddies Kopf wütet ein Gewitter. Nervenzellen entladen sich plötzlich und stecken andere an, eine grausame Kaskade, die Maddies Muskeln zucken lässt und ihr das Bewusstsein nimmt, Hunderte Male am Tag. Vor der Epilepsie konnte Maddie einen Fußball treten und in kurzen Sätze sprechen. Zwei Monate später hatte sie das Laufen verlernt. Sie riss sich die Haare in Büscheln aus und rannte gegen die Wand.

Die Operation brachte ein bisschen Glück zurück. Maddie lernte, aufs Töpfchen zu gehen, und Liz Gorman war froh – trotz der Nebenwirkungen: Maddie verweigerte nun das Kauen. Doch schon im November verdrehte sie wieder die Augen, ein Vorbote der Anfälle.

Sechs Tage vor Weihnachten flog Gorman mit ihrer Tochter nach Colorado. Immer wieder schnellten Maddies Beine und Arme nach oben, als ob ein Puppenspieler sie in einen bösen Tanz zwingen wollte. Geschah es zunächst nur ein-, zweimal am Tag, erlebte sie bald wieder hundert Attacken täglich. Noch im Hotel träufelte Gorman ihrer Tochter die ersten Tropfen Cannabisöl in den Mund. Die Ärzte hatten sie gewarnt. Aber was hätte sie tun sollen? Ihre Tochter sterben lassen?

Maddies Krankengeschichte begann, als sie noch ein Baby war…

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Nr. 33/2015