Lesezeit 11 Min
Politik

Drei Männer und ein Attentat

Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft in Sachen Rote Armee Fraktion sind am Ende angelangt. Es bleiben viele offene Fragen.

JOANNA NOTTEBROCK / DER SPIEGEL
von
Michael Sontheimer
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Politik

Sein Schritt wird langsam, wenn er den steilen Pfad durch den Bergwald hinaufsteigt. Einst zählte Peter-Jürgen Boock zu den meistgesuchten Terroristen in Deutschland, heute lebt er in Italien zusammen mit seiner Frau in einem Rustico, einem schlichten Feldsteinhaus, weitab von jeder Straße.

Am offenen Kamin zieht er Bilanz: "Es hat lange gedauert, aber mittlerweile ist die RAF für mich weit weg, hier oben auf meinem Berg." Er legt noch ein paar Scheite nach. "Morgen muss ich Holz hacken, zum Kochen und Heizen. Das ist wichtig."

Boock will seine Ruhe haben. 40 Jahre ist es inzwischen her, dass er sich der Roten Armee Fraktion (RAF) anschloss. Gerade hat er erfahren, dass das Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen mutmaßlicher Beihilfe zum Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback eingestellt worden ist. Boock ist beruhigt.

Bundesanwalt Walter Hemberger sieht keine Möglichkeit mehr, noch herauszufinden, wer Buback oder Hanns Martin Schleyer und ihre Begleiter erschossen hat. Deshalb hat er die Ermittlungen beendet: Es ist eine Bankrotterklärung der obersten Strafverfolger der Republik.

Der Krieg der RAF gegen den Staat hat die Bundesrepublik verändert, das Leben vieler ihrer Bürger beeinflusst. Begriffe wie "Deutscher Herbst" und "Bleierne Zeit" stehen für eine düstere Geschichte, die in vielen Einzelheiten voller Rätsel bleiben wird.

An der Reaktion von drei Männern – alle zwischen 60 und 70 Jahre alt – zeigt sich, was die gescheiterte Aufklärung der RAF…

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Nr. 25/2015