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Politik

Drachme im Museum

Der Schuldenstreit der Euroländer mit der Regierung Tsipras rief in Athen auch in den vergangenen Tagen Ängste, Hoffnungen und taktische Manöver hervor. Bei manchen wächst gar die Einsicht, dass sich das Land grundlegend ändern muss. 

NIKOS PILOS / DER SPIEGEL
von
Julia Amalia Heyer
und
Alexander Smoltczyk
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Politik

Wo Trojas Entdecker einst sein Frühstücksei aufschlug, in Heinrich Schliemanns Speisezimmer, stehen heute die Vitrinen und Schaukästen des Athener Münzmuseums. Die Stadt hat das Palais des Archäologen sorgfältig, bis hin zu den trojanischen Swastika-Ornamenten am Boden, restaurieren lassen.

„Die aktuelle Ausstellung ist leider geschlossen, Personalmangel“, sagt die Wärterin müde und zeigt auf das Exponat 15, jenes Ding, an das sich die Hoffnungen, Wahnvorstellungen, Ängste dieser Tage klammern: „Da ist sie, die erste wirkliche Drachme.“

Vorne Göttin Athene, hinten eine Eule, List und Weisheit, ein grob geprägtes Silberstück, früher einmal eine Art besserer Euro, stabil und verbreitet in aller Welt. Und bevor noch gefragt werden kann, kommt die Antwort: „Die Drachme ist im Museum, und wir wünschen uns, dass sie dort auch bleibt.“

Das vorweg.

Es ist Donnerstagnachmittag. In Brüssel hat sich die Euro-Gruppe gerade vertagt, um am Samstag ein allerallerallerletztes Mal über ein Abkommen mit Athen zu beraten. „Herr Vizefinanzminister, verstehen Sie, was da gerade vor sich geht in Brüssel?“

Dimitris Mardas sitzt in seinem Büro, der Schreibtisch ist mit gelben Post-its tapeziert wie ein Memory-Spiel. Auf die Frage hin, was da gerade in Brüssel passiert, blickt er ratlos hoch zu dem Fernseher, der über seinem Kopf hängt. Er ist ausgeschaltet. Mardas hat sich in den letzten fünf Monaten den Ruf erworben, immer noch ein paar Hundert Millionen aufzutreiben, wenn es knapp wird. Und sei es, dass die Lieferantenrechnungen erst einmal nicht bezahlt werden. Aber inzwischen bestellen sie in den…

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Nr. 27/2015