Lesezeit 10 Min
Geschichte

Dr. Seltsam aus Kleinmachnow

Ein Historiker ist dem Rätsel eines alten Bunkers in Brandenburg auf der Spur. Birgt der Stollen geheime Akten über Waffenexperimente der Nazis?

THOMAS GRABKA / DER SPIEGEL
von
Frank Thadeusz
Lesezeit 10 Min
Geschichte

Wenige Tage vor Kriegsende erschüttert ein mächtiges Kawumm die brandenburgische Ortschaft Genshagen. Die Rote Armee ist fast schon in Sichtweite, doch der Feind aus dem Osten hatte nicht gefeuert. Was war geschehen?

Acht Jahre zuvor hatte sich das kleine Genshagen zu einer großen Rüstungsschmiede für die Nazis aufgeschwungen: Daimler-Benz eröffnete damals ein Flugmotorenwerk in dem Dorf bei Ludwigsfelde. Gleich neben der Fabrik gruben Arbeiter zu Beginn der Vierzigerjahre einen Stollen ins Erdreich. In diesem Bunker fanden Frauen aus dem Werk bei Luftangriffen Schutz.

Als im April 1945 alliierte Truppen nahten, machte sich ein Kommando der SS an die Arbeit und sprengte, mit großem Aufwand, sämtliche fünf Zugänge des Bunkers. Ziemlich viel Getöse für einen Stollen, in dem vor allem Arbeiterinnen bei Bombenangriffen kauerten, findet der Berliner Historiker Rainer Karlsch.

War der Tunnel im Untergrund womöglich weit mehr als nur schützendes Obdach? Hatten ihn seine Erbauer vielmehr von Beginn an als Lagerort für klandestine Aktenbestände angelegt? Wundersam immerhin, dass sich weder in den Archiven von Daimler noch in anderen Dokumentensammlungen Pläne des Bunkers finden.

Geschichtskundler widmeten Genshagen bislang wenig Zeit und Mühe, doch Zeitzeugen überlieferten allerhand Mündliches, auch über den Bunker. Darunter offenkundig Falsches wie etwa die Behauptung, der Stollen habe gigantische Ausmaße gehabt. Aber auch belastbare…

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Nr. 3/2017