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„Die Welt ist ein Kunstwerk“

Welche Rolle spielt Schönheit in der Natur? Eine gewaltige, sagt der amerikanische Teilchenphysiker Frank Wilczek. Der Nobelpreisträger erzählt von atomarer Sphärenmusik, goldenen Schokoladentalern und Gott.

JASONGROW.COM / DER SPIEGEL
von
Johann Grolle
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SPIEGEL: Herr Professor Wilczek, Goethe sagte einmal, jedermann solle täglich ein wenig Musik hören, etwas Poesie lesen und ein Bild betrachten, damit die weltlichen Sorgen den Sinn für "das Schöne und Vollkommene" nicht abstumpfen. Hatten Sie heute schon Ihre Ration Schönheit

Wilczek: Mehr als nur eine Ration. Ich habe über Kunstgeschichte gelesen und mir Bilder dazu angesehen. Außerdem verfolge ich ein strenges Leseprogramm. Heute habe ich Science-Fiction gelesen, "Star Maker" von Olaf Stapledon, – vielleicht kein literarisches Meisterwerk, aber voller inspirierender Visionen. Außerdem spiele ich oft Klavier, aber das ist derzeit leider verstimmt.

SPIEGEL: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass auch die Physik den Sinn für Schönheit anspreche. Regt die Kunst Sie an bei Ihrer Suche nach den Naturgesetzen?

Wilczek: Ob sie mich direkt inspiriert, ist schwer zu sagen. Aber ich bin überzeugt davon, dass Kunst und Wissenschaft dieselben Hirnregionen ansprechen. Das Gehirn belohnt uns sozusagen dafür, wenn wir mit Schönem zu tun haben. Die Evolution will uns auf diese Weise ermutigen, zu tun, was gut für uns ist. Das gilt natürlich für viele Dinge. Aber eines davon ist, Zusammenhänge zu verstehen.

SPIEGEL: Wir versuchen also, den Dingen auf den Grund zu gehen …

Wilczek: ... genau, und wenn uns dies gelingt, erleben wir es als Schönheit.

SPIEGEL: Was ist "…

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Nr. 33/2015