Lesezeit 11 Min
Politik

Die Stadt der Ruinen

Das bombardierte Ost-Aleppo ist zum Symbol für das Leiden der Zivilbevölkerung im syrischen Bürgerkrieg geworden. Gespräche mit Menschen, die trotz allem ausharren.

DER SPIEGEL
von
Riham Alkousaa
und
Christoph Reuter
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Politik

Wir wachen auf vom Klirren der Scheiben, normalerweise beginnen sie pünktlich um acht mit den Fassbomben." So fängt der Tag an für Dr. Chalid al-Halabi, 38, orthopädischer Chirurg am Zarzour-Krankenhaus im vom Regime eingekreisten Ost-Aleppo. "Ich schlafe im Krankenhaus, gehe dann um kurz nach acht runter in die Notaufnahme. Noch im Halbschlaf sehe ich die ersten Fälle, abgerissene Gliedmaßen, Schwerverletzte. Das ist mein Morgen seit fünf Wochen. Eigentlich dauert die Schicht nur 20 Tage, aber ich warte immer noch auf meine Ablösung. Zwischendurch war ja der Belagerungsring geschlossen.“

Es ist schwierig, den Zustand in Aleppo zu beschreiben, dieser zerstörten Stadt, die zum Symbol für den syrischen Krieg geworden ist. Vor über einem Jahr, als ein SPIEGEL-Team letztmalig in die Stadt gelangte, war sie längst eine Trümmerlandschaft. Schon damals starben jeden Tag Menschen und harrten über 100000 dennoch aus – bevor die Dauerbombardements auf Dörfer und Kleinstädte der Umgebung viele Geflohene sogar zurück in die Hölle ihrer Stadt trieben. Besser zu Hause sterben als woanders.

Als Assads ausländische Milizen und Armeereste ab Mitte Juli den Belagerungsring um den Osten vollständig schlossen, kam die Stadt zurück in die Schlagzeilen. Dabei gibt es die Luftangriffe seit vier Jahren, nur hat sich die Welt daran gewöhnt. In den vergangenen elf Tagen sind sie allerdings noch stärker geworden. Und wieder geht das Bild eines Jungen um die Welt, es zeigt Omran Daqneesh, den Helfer nach einem Bombenangriff…

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Nr. 34/2016