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Politik

Die schlimmen Schwestern

Der Umgang mit der Protestpartei hat zu einem Zerwürfnis in der Union geführt. CSU-Chef Horst Seehofer plant inzwischen mit einem Wahlkampf gegen Angela Merkels CDU in Berlin. Die Kanzlerin lehnt einen Rechtsruck ab.

HC PLAMBECK / DER SPIEGEL
von
Melanie Amann
,
Ralf Neukirch
und
René Pfister
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Politik

Das Problem geht ja schon mit der Frage los, wer zum Teufel dieser Herr Meuthen ist. Ist das der grauhaarige seriöse Mann im Anzug, der da auf der Bühne der Stuttgarter Messehalle steht und Dinge sagt, die jedes brave CDU-Mitglied auch unterschreiben könnte? Dass Deutschland einen modernen Konservativismus brauche. Dass man sich nicht schämen müsse, wenn man für „konsequente Freiheitlichkeit und gesunden Patriotismus“ eintrete.

Hört man diesem AfD-Chef zu, dann wirkt die Partei wie eine etwas verstaubte Version der CDU, herübergebeamt aus einer Zeit, in der Twix noch Raider hieß und in der die Damen Dauerwellen und dicke Schulterpolster trugen. Aber nur auf den ersten Blick ist Jörg Meuthen ein Nostalgiker, der sich in die Achtzigerjahre zurücksehnt. Es gibt auch noch den anderen Meuthen. Er wird später in seiner Rede auf dem AfD-Parteitag in Stuttgart unter dem Jubel des Publikums sagen, dass er sich eine andere Republik wünscht: „Weg vom linksrot-grün verseuchten, man könnte auch sagen leicht versifften 68er-Deutschland.“

Das Wort vom „grün-rot versifften“ Deutschland ist keine Erfindung Meuthens. Vor ihm sagte es der Schriftsteller Akif Pirinçci, ein Mann, der Streitschriften gegen Homosexuelle verfasst und auf einer Pegida-Demo deutschen Politikern unterstellte, sie hätten „den Respekt vor dem eigenen Volk so restlos abgelegt“, dass sie ihre Kritiker am liebsten aus dem Land werfen wollten. Seine Zuspitzung, es gebe ja auch Alternativen, „ aber die…

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Nr. 19/2016