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Die Rückkehr des Räubers

Der Weiße Hai gilt bislang als bedrohte Art, weil Fischer ihn bedenkenlos abschlachteten. Jetzt registrieren Meeresbiologen, dass die Bestände sich wieder erholen. Drohen mehr Angriffe auf Badende?

DER SPIEGEL
von
Frank Thadeusz
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An einem Sonntag im Juni, um kurz nach vier Uhr nachmittags, geht bei der Notrufzentrale in Oak Island in North Carolina ein panischer Anruf ein: "Wir haben hier jemanden ... ein Hai, ein Haiangriff." Kurz darauf brüllt eine andere Stimme aufgebracht in den Hörer: "Hier ist ein Mädchen, dessen Hand abgebissen wurde. Wir brauchen sofort einen Krankenwagen."

Die Zwölfjährige überlebt die Haiattacke. Doch die Ärzte müssen ihr einen Unterarm amputieren.

Kurz darauf wird ein 16-Jähriger von einem Hai angefallen – nur wenige Kilometer weiter strandabwärts. Wieder geht ein Notruf ein: "Sein linker Arm ist komplett weg!"

Zwei Haiangriffe innerhalb von 90 Minuten und in derselben Gegend sind selbst für Amerikas Küsten eine ungewöhnliche Häufung. Was geht da vor im Meer?

Etwa 1100 Kilometer weiter nördlich steht Greg Skomal mit Käppi, Sonnenbrille und im T-Shirt an Bord eines kleinen Motorboots, das vor Cape Cod kreuzt. Mit einer Harpune in der Hand lauert der Meeresbiologe auf einem Bugkorb, der einige Meter über das Schiff hinausragt.

Das Wasser ist an dieser Stelle höchstens drei Meter tief. Manchmal dauert es nur Stunden, mitunter vergehen aber auch Tage, ehe ein großer Schatten unter dem Boot auftaucht. Dann schnellt Skomals Lanze hervor. So heftet er einen kleinen Sender an den massigen Körper des Weißen Hais.

Rund 70 dieser Raubfische beziehen vor diesem Küstenabschnitt inzwischen Quartier. Was Schwimmer, Taucher…

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Nr. 30/2015