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Kultur

Die Profilerin

Karen Duves Roman über die geheimnis- und verhängnisvolle Affäre der jungen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.

MAURICE WEISS / DER SPIEGEL
von
Elke Schmitter
Lesezeit 8 Min
Kultur

Ein hochbegabtes Fräulein aus dem 19. Jahrhundert. Zwei weniger begabte junge Männer, der eine unansehnlich und aus bescheidenen Verhältnissen, der andere von Adel und äußerst einnehmendem Äußeren. Eine gesellschaftliche Intrige, ausgebrütet von misogyner Missgunst und Langeweile, als deren Resultat die Unvermittelbarkeit des Fräuleins besiegelt ist. Das ist die traurige Geschichte der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, heute Schulkindern vor allem bekannt als die Autorin der »Judenbuche«, einer Kriminalgeschichte aus dem dörflichen Westfalen, und das ist der Plot des neuen Buchs von Karen Duve, bekannt durch ihren »Regenroman«, ihren brachial komischen Roman »Taxi«, durch ihre autobiografische Kampfschrift »Anständig essen« und, zuletzt, durch ihren feministisch-utopischen Roman »Macht«.

Duve, 56, gehört zu dem eher seltenen Typus Autor, der mit jedem Buch etwas Neues beginnt. Es ist nicht immer dieselbe Lunte, die glimmt, bis sich am Ende ein Feuerwerk entzündet, und auch die Länge ist jeweils ganz verschieden. In »Anständig essen« begab sie sich auf den temperamentvoll protokollierten Weg von der bewusstlosen Fleischesserin zur, wie man heute sagt, Flexitarierin. Hier war die Lunte kurz.

Deutlich länger, aber nicht besonders gewunden war sie vermutlich bei »Taxi«. Das Material war gewissermaßen gelebt, es schlummerte viele Jahre, bis es erzählungsreif war, doch es bedurfte keiner Recherche und keines zweiten Bildungswegs.

Mit »Fräulein…

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Nr. 38/2018