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Wirtschaft

Die neue A-Klasse

Der Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre hat den Arbeitsmarkt verändert. Zusehends diktieren die Angestellten die Bedingungen, die Unternehmen fügen sich: Es gibt höhere Gehälter, zusätzlichen Urlaub – und mehr Freiheiten.

NICOLE MASKUS-TRIPPEL / DER SPIEGEL
von
Sven Böll
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Einen Nachteil hat der Job von Larissa Groneberg dann doch: Sie muss tatsächlich auch arbeiten.

Ansonsten hat sie es gut getroffen: Sie ist bei IMS Gear in Donaueschingen angestellt. Die Firma beliefert Autozulieferer in aller Welt unter anderem mit Antrieben für Fensterheber und Sitze. Bereits während ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau war Groneberg zufrieden mit der Ausstattung ihres Jobs: 35-Stunden-Woche, 30 Urlaubstage, betriebliche Altersvorsorge, vergünstigte Mitgliedschaft im Fitnessklub, kostenlose Sprachkurse – und ein vierwöchiger Mexikoaufenthalt auf Firmenkosten.

Seit dem Ende ihrer Ausbildung kümmert sich Groneberg um die Zollabwicklung für Exporte. "Nebenbei habe ich genug Freizeit, um mein Leben zu genießen", sagt die 21-Jährige.

Und ausreichend Geld: Industriekaufleute im ersten Berufsjahr verdienen bei IMS Gear rund 45 000 Euro. Damit gehören sie in der Firma nicht einmal zu den Topverdienern unter den Berufsanfängern. Ein Haupt- oder Realschüler, der nach seiner Ausbildung als Industriemechaniker im Schichtbetrieb arbeitet, kann es im ersten Jahr nach der Lehre sogar auf mehr als 50 000 Euro bringen.

Sieht so die Zukunft aus?

Die Regel ist es noch nicht, aber der Trend ist eindeutig. Auch wenn es in einem der reichsten Länder der Welt noch immer zahlreiche Menschen gibt, die vom Boom nicht profitieren und sich mit schlecht bezahlten Jobs durchschlagen müssen: Der Arbeitsmarkt hat sich dramatisch…

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Nr. 26/2017