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Politik

Die Meuterei

Der Antisemitismus-Streit zeigt, dass das Zerwürfnis zwischen Frauke Petry und Jörg Meuthen nicht mehr zu kitten ist. Doch die Männer in der AfD finden keinen Weg, die Parteichefin aus dem Weg zu räumen.

HC PLAMBECK / DER SPIEGEL
von
Melanie Amann
,
Jan Fleischhauer
,
Jan Friedmann
,
Ann-Katrin Müller
,
René Pfister
,
Christoph Schult
und
Severin Weiland
Lesezeit 9 Min
Politik

Er hat jetzt endgültig genug. Jörg Meuthen, der ewig freundliche Professor, kann sich nicht mehr beherrschen. Er hat alles versucht. Als Frauke Petry am Dienstag anreist, hinterlässt er beim Pförtner des Stuttgarter Landtags den Wunsch, dass die Frau, mit der er gemeinsam die AfD führen soll, bitte nicht eingelassen werden möge.

Gab es das schon einmal? Ein Parteichef, der sich seine Kollegin vom Sicherheitsdienst des Parlaments vom Leib halten will? Aber Meuthens Wunsch wird abgeschlagen. Und so bleibt ihm am Ende nichts anderes übrig, als sich mit Petry zu treffen. Das Gespräch findet in einem Büro statt. Es dauert nur ein paar Minuten, bis Meuthen mit versteinerter Miene wieder herauskommt. Er eilt zu einer Unterredung mit seinen Fraktionskollegen, aber plötzlich öffnet sich die Tür, und Petry steht wieder da. Sie wolle mit den Abgeordneten reden. Als Parteichefin habe sie das Recht dazu, sagt sie. Meuthen bebt vor Zorn, berichtet ein Teilnehmer. „Du bist hier nicht zuständig, bitte geh jetzt!“, sagt Meuthen. Doch Petry will nicht weichen, sie setzt zum Reden an. Da springt Meuthen von seinem Stuhl auf, packt Petry am Arm und schiebt sie zur Tür hinaus.

Die Geschichte der Bundesrepublik hat schon viele Machtkämpfe erlebt. Aber selten war einer so bizarr und so hasserfüllt wie der in der AfD. Nur vordergründig ging es dabei um die Frage, wie man mit einem Mann umgeht, der bis vor Kurzem für die AfD im Stuttgarter Landtag saß und in seinen Schriften…

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Nr. 28/2016