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Wirtschaft

"Die Mehrheit will Bulette"

Der 180 Jahre alte Wurstproduzent Rügenwalder Mühle verkauft seit einiger Zeit auch Mortadella aus Eiweiß und Hack aus Soja. Und ist damit erstaunlich erfolgreich.

DER SPIEGEL
von
Susanne Amann
und
Ann-Kathrin Nezik
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Wirtschaft

Rügenwalder Mühle ist eine der wohl bekanntesten deutschen Wurstmarken, dank prominenten Werbegesichtern und dem einprägsamen Logo. Patriarch Christian Rauffus, 64, führt die Firma in sechster Generation. Er machte aus dem niedersächsischen Familienbetrieb ein Unternehmen mit 205 Millionen Euro Jahresumsatz. Ende 2014 brachte Rügenwalder auf Initiative des Marketingchefs Godo Röben, 47, als erster großer Lebensmittelhersteller vegetarische Produkte heraus.

SPIEGEL: Herr Rauffus, wie oft essen Sie Fleisch und Wurst?

Rauffus: Nicht jeden Tag, aber schon mehrmals die Woche. Und das, obwohl ich eine Schwiegermutter hatte, die immer sagte: "Wenn ich zum Frühstück keine Wurst bekomme, wird mir schlecht."

SPIEGEL: Und Sie, Herr Röben?

Röben: Ich bin so ein Kerl, der jeden Tag Fleisch und Wurst isst. Nur fange ich jetzt morgens mit Mortadella in der Veggie-Variante an. Aber ich esse immer noch gern ein Steak.

SPIEGEL: Das finden wir erstaunlich. Immerhin waren Sie es, der vehement dafür gekämpft hat, dass Rügenwalder vegetarische Wurst einführt.

Röben: Ich bin da wie ein normaler Kunde: Ich mag Wurst, ich will nicht auf sie verzichten. Doch natürlich bin ich nicht gerade begeistert von der Massentierhaltung und den Auswirkungen der Fleischproduktion aufs Klima. Und deshalb habe ich mir überlegt, was man anders machen kann.

SPIEGEL: Sie wollten also die Welt verbessern?

Röben: Wir haben immer versucht, die Ställe größer zu machen und die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern. Aber…

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Nr. 35/2016