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Die Luftfischer

Geoingenieure wollen die Erde kühlen, indem sie der Atmosphäre das Treibhausgas Kohlendioxid entziehen. Kritiker halten das Projekt für Fantasterei, aber ein kanadischer Pionier hat jetzt vorgerechnet, dass der kühne Plan gelingen kann.

DER SPIEGEL
von
Johann Grolle
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Steve Oldham hat vor, die Welt zu retten; da kämen ihm 25 Millionen Dollar zupass. Diese Summe hat der Abenteurer und Milliardär Richard Branson als Preisgeld ausgelobt. Erhalten soll es derjenige, der einen praktikablen Weg weisen kann, wie sich das menschengemachte Treibhausgas, das der Erde einheizt, aus der Atmosphäre filtern lässt.

Die Ansprüche sind hoch: Wer Bransons "Virgin Earth Challenge" gewinnen will, muss eine Methode finden, wie sich jährlich eine Milliarde Tonnen Kohlenstoff einfangen und versenken ließen. Das entspricht knapp zehn Prozent des jährlich ausgestoßenen Kohlendioxids weltweit.

Für die meisten Experten ist so etwas reine Idiotie, für Oldham eine Herausforderung, die er anpacken will. Er ist Geschäftsführer der Firma Carbon Engineering (CE) und stolz darauf, dass es seine Firma in die Endauswahl der elf Finalisten der "Virgin Earth Challenge" geschafft hat.

"Unser großer Vorteil ist, dass wir nicht nur eine Powerpoint-Präsentation haben, sondern eine real existierende Anlage", sagt er und weist auf ein scheunenartiges Gebäude, das inmitten einer Industriebrache am Howe Sound, einem Fjord nördlich von Vancouver, liegt. Davor surrt ein Ventilator, der stündlich 140 000 Kubikmeter Luft durch einen mächtigen Füllkörper aus wabenartig aufgebauten Plastikfolien bläst. Durch diesen "Kontaktor" rieselt eine Flüssigkeit, die Kohlendioxid aus der vorbeiströmenden Luft aufnimmt.

Aus dem Scheunendach ragt der Turm des…

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Nr. 24/2018