Lesezeit 6 Min
Wissen

Die Lehren der Hirnsuppe

Eine brasilianische Neurobiologin hat die Nervenzellen von Mensch, Affe und Elefant gezählt – und glaubt, so das Erfolgsrezept des Homo sapiens gefunden zu haben.

DER SPIEGEL
von
Johann Grolle
Lesezeit 6 Min
Wissen

Nein, sagt Suzana Herculano-Houzel, die Hirnsuppe bereite ihr keine Probleme beim Zoll: „Das Zeug lebt ja nicht. Deshalb interessieren sich die Zöllner nicht dafür.“

Mit „Hirnsuppe“ meint die Forscherin jene trüb-bräunliche Brühe, die sie jetzt nach und nach, gefüllt in Tausende kleine Gefäße, in die USA schafft. Es handelt sich um verflüssigte Gehirne von Tieren – von Ratten und Wasserschweinen, Kapuzineraffen und Elefanten.

Die schwappende Fracht ist das Kostbarste, was die Hirnforscherin aus Rio de Janeiro derzeit bei ihrer Übersiedlung in die Vereinigten Staaten mit an die Vanderbilt University im US-Bundesstaat Tennessee bringt. Denn aus dieser Flüssigkeit rührt sie die Theorien zusammen, mit denen sie sich einen Namen in der Wissenschaft gemacht hat.

Vor allem mit einer Hypothese fordert sie die Lehrmeinung der Evolutionsbiologen heraus: Das Gehirn des Homo sapiens, so Herculano-Houzel, möge Bemerkenswertes leisten, außergewöhnlich aber sei es nicht. Es entspreche vielmehr genau dem, was bei einem Primaten seiner Statur zu erwarten sei*.

Das Buch

*Suzana Herculano-Houzel: „The Human Advantage“. MIT Press, Cambridge; 256 Seiten.

Es war ein weiter Weg, der die Forscherin zu dieser Überzeugung führte – und er begann in Europa. Ende der…

Jetzt weiterlesen für 0,82 €
Nr. 23/2016