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Die Kraft der toten Tiere

Die WHO hat Fleisch als krebserregend eingestuft. Die Aufregung ist groß, die Gefahr aber recht gering. Am Ende werden wahrscheinlich nur wenige Menschen ihr Essverhalten ändern.

DER SPIEGEL
von
Susanne Amann
,
Veronika Hackenbroch
und
Julia Koch
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Die Tierschutzorganisation Peta reagierte mit Schadenfreude. "Wir bieten jedem, der bereit ist, Krebs und eine Menge anderer Gesundheitsprobleme abzuwehren, ein kostenloses veganes Einstiegspaket an", erklärten die Aktivisten. Ein Metzger aus Hamburg hingegen empörte sich via "Bild"-Zeitung: "Von meinem Fleisch bekommt man keinen Krebs, sondern nur Glückshormone."

In den sozialen Netzwerken erreichte die Zahl der Fleisch-und-Krebs-Tweets Rekordwerte. Auf Facebook kursierten Fotomontagen mit Würstchen, die aus Zigarettenschachteln ragen. Satiriker forderten Wurstesserzonen neben den Raucherbereichen auf Bahnsteigen.

Verursacher des Rummels waren 22 Experten aus zehn Ländern, die im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO mehr als 800 Studien ausgewertet hatten und schließlich den Fleischverzehr auf eine Stufe mit Rauchen und Radioaktivität stellten. Salami, Würstchen, Räucherspeck, Trockenfleisch und andere verarbeitete Fleischprodukte, so ihr Urteil, könnten zu Darmkrebs führen. Der Zusammenhang sei inzwischen so gut belegt, befanden die Wissenschaftler, dass all diese Fleischprodukte in die Kategorie 1 der nachweisbar für den Menschen krebserregenden Substanzen gehörten – gemeinsam mit so unappetitlichen Stoffen wie Plutonium, Tabakrauch, Asbest, Formaldehyd und Neutronenstrahlung.

Und auch unverarbeitetes rotes Fleisch, also Rindersteaks oder Schweineschnitzel, könne zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit Darmkrebs verursachen. Es…

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Nr. 45/2015