Lesezeit 17 Min
Politik

Die Islamisten GmbH

Der Markt für Produkte, die nach islamischem Recht erlaubt sind, wächst. Davon profitieren Salafisten, die mit Firmengewinnen und ausländischer Hilfe Propaganda finanzieren.

RIHAM ALKOUSSAA / DER SPIEGEL
von
Riham Alkousaa
,
Maik Baumgärtner
und
Martin Knobbe
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Politik

Der Ort, von dem aus Deutschland bekehrt werden sollte, liegt in einem Dorf – gleich neben einem Supermarkt. Ein schlichter Industriekomplex, großzügige Hallen auf drei Ebenen, dazu ein Wohn- und Bürogebäude, 3300 Quadratmeter, 14 private Stellplätze. Die 1,07 Millionen Euro für die Immobilie überwiesen die Käufer komplett, Kredit nicht nötig.

Niemand schöpfte Verdacht in Fellbach-Oeffingen, Baden-Württemberg, warum auch? Die Vertreter der EMC-Immobilien GmbH verhielten sich unauffällig und wirkten seriös. Erst als Beamte des Stuttgarter Landeskriminalamts und des örtlichen Polizeipräsidiums beim Oberbürgermeister vorstellig wurden, brach im Rathaus Hektik aus.

Der Bauausschuss tagte geheim, der Gemeinderat diskutierte, die Politiker beschlossen eine Änderung im Bebauungsplan, damit religiöse Versammlungen in einem Teil des Gewerbegebiets nicht mehr möglich sind. So blieb Fellbach-Oeffingen, 7000 Einwohner, davon verschont, ein Zentrum für Islamisten zu werden. Bislang ist der Ort höchstens dafür bekannt, dass hier einst Fußballnationalspieler Sami Khedira als Kind im Verein kickte.

Die Gesellschafter der GmbH mit dem harmlosen Namen hatten nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden tatsächlich im Sinn, von hier aus für ganz Deutschland Dawa zu betreiben, religiöse Missionierung, wie sie es nennen, "systematische Indoktrinierung", wie es der Verfassungsschutz bezeichnet. Die feindliche Übernahme wurde gerade noch verhindert.

Mehr als 43.000 Menschen in Deutschland rechnet der Verfassungsschutz der islamistischen Szene zu, darunter 8650 Salafisten, die in der Mehrheit Gewalt als legitimes politisches Mittel ansähen. Sie gelten als Demokratiefeinde, weil sie ihre reaktionäre Auslegung des Koran über weltliche Regeln stellen: Scharia statt Grundgesetz, der Wille Allahs steht über dem des Volkes.

Ihre Zahl hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt, Verfassungsschützer sprechen von der "dynamischsten Bewegung" innerhalb der extremistischen Szene. Die Gründe für ihren Erfolg liegen in ihrer Ideologie, in ihren einfachen Antworten auf komplexe Fragen, in ihrer strengen Hierarchie, in ihrer offensiven Missionierung. Und sie haben Geld.

Ohne Geld entstünden keine Videos, auf denen bärtige Männer den Islam so anschaulich erklären, als hätte man sie für die "Sendung mit der Maus" engagiert. Ohne Geld…

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Nr. 34/2016