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Politik

Die grüne Hölle

Seit vier Jahren ist Simone Peter Vorsitzende der Grünen. Doch niemand in der Partei nimmt sie richtig ernst. Wie hält man das aus?

HERMANN BREDEHORST / DER SPIEGEL
von
Lena Niethammer
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Politik

Vier Wochen später, als Simone Peter bei einem Mittagessen über diesen denkwürdigen Parteitag spricht, wird das Wort Leere fallen.

Berliner Velodrom. Es ist Mitte Juni. Noch zwei Stunden, dann erklingt der Satz, vor dem Simone Peter so einen Respekt hat:

"Simone, die Bühne gehört dir." Während Cem Özdemir gerade ins Mikrofon brüllt, sitzt Peter da auf einem Stuhl, verloren in ihrer roten Jacke. Geistesabwesend starrt sie nach vorn.

Vor ihr liegt schon das Manuskript, jeder kann sehen, wie sie zum Kuli greift, den Text wieder und wieder umschreibt. Es ist eine wichtige Rede, die Peter heute halten muss, vielleicht die entscheidende. Sie weiß, sie muss heute begeistern, muss beruhigen, muss führen, kurzum: Parteichefin sein. Und genau da liegt das Problem.

Das Warten ist schlimm, aber am schlimmsten, so erzählt es Peter später, ist die Angst vor der Stille nach der Rede, das Gefühl, nach Hause in das kleine Berliner Apartment zu kommen, und da ist niemand. Nie sei man der eigenen Leere so nah wie allein auf der Couch nach einem Parteitag. Sie hat sich deshalb, zur Sicherheit, für den Abend mit ihrem Bruder auf ein Bier verabredet.

Wer sich Simone Peters Lebenslauf durchliest, erwartet eine starke, selbstbewusste Frau. Sie hat einen der Spitzenjobs in der Berliner Politik, auf dem Papier eine makellose Karriere. Studium der Biologie, Promotion über Gewässerökologie, Umweltministerin im Saarland, seit 2013 Grünen-Parteichefin…

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Nr. 39/2017