Lesezeit 7 Min
Verbrechen

Die Grabräuber

Ein alter Trick: Zwei Männer und eine Frau brechen während der Beerdigung in die Häuser der Toten oder Angehörigen ein. Die Geschichte einer hinterhältigen Diebstahlserie.

FRANK WILDE / DER SPIEGEL
von
Julia Jüttner
Lesezeit 7 Min
Verbrechen

Über Wochen betreute er im Frühjahr vergangenen Jahres seinen kranken Vater, begleitete ihn beim Sterben. Es war eine schwere Zeit. Als der Vater verstorben war, schaltete Ingo F. eine Traueranzeige in der "Hannoverschen Allgemeinen", teilte darin das Datum der Beerdigung mit. So wie man das eben macht, wenn man Freunden und Bekannten die Gelegenheit geben will, dem Angehörigen die letzte Ehre zu erweisen. Bewusst verzichtete Ingo F. auf die Adresse. Man weiß ja nie.

Am 6. Mai, um 14 Uhr, trug Ingo F. mit seiner Familie den Vater zu Grabe. Im Anschluss saßen die Angehörigen bei Kaffee und Kuchen beisammen. Um 17 Uhr rief ihn ein Nachbar an: Bei Ingo F. war eingebrochen worden.

Ingo F., 41, sitzt mit geradem Rücken im Zeugenstand des Saals H1 im Landgericht Hannover. Er holt tief Luft. Vielleicht dürfe er sich an dieser Stelle "mal mit ein paar Worten" an die drei Angeklagten wenden? Der Vorsitzende Richter Michael Schweigert nickt. "Dieser Tag war eh schon ein schwieriger Tag. Man möchte für sich sein, seine Ruhe haben. Man denkt, jetzt endlich kann man all das verarbeiten, ein wenig runterkommen." Pause. Ingo F. blickt nach links zur Anklagebank. "Das ist wirklich unterste Schublade."

Beschämt schauen Marcel W., 33, Isabel D., 30, und Dominic B., 29, zu Boden, zur Seite, in die Luft. So wie sie es bei allen Zeugen tun, die von ihren verwüsteten Häusern erzählen und immer auch vom Verlust ihres engen Angehörigen. Einige ringen mit den Tränen…

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Nr. 14/2016