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Politik

Die Freiheit des Methusalem

Finanzminister Schäuble glaubt nicht mehr an ein gutes Ende der Griechenlandkrise. Anders als die Kanzlerin ist er bereit, Athen aus dem Euro zu befördern. Wagt er den Konflikt?

KITTIHAWK / DER SPIEGEL
von
Peter Müller
,
René Pfister
und
Christian Reiermann
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Politik

Am Ende einer wilden Woche, in der es hieß, Wolfgang Schäuble sei im Grunde schon entmachtet, in der man lesen konnte, der Finanzminister habe sich mit der Kanzlerin überworfen, und in der das Gerücht die Runde machte, Schäuble plane einen Aufstand gegen Merkel, am Ende dieser verrückten Woche machte Schäuble einen Scherz.

Vergangenen Donnerstag um 15.15 Uhr verließ er sein Büro, um ins Kanzleramt zu fahren, aber vorher raunte er seinen Leuten noch zu, vielleicht sage ihm Merkel jetzt endlich, wie es um seine Zukunft bestellt sei. "Wahrscheinlich entzieht sie mir mein Mandat", sagte Schäuble. Kurzes Schweigen, dann großes Gelächter, nein, alles nur ein Scherz, natürlich wird Merkel ihren Minister nicht vor die Tür setzen.

Schäuble hat das Talent, jeden Konflikt mit einem galligen Scherz beiseitezuschieben, es ist eine Gabe, die ihm oft geholfen hat in seiner langen Karriere. Schäuble weiß, dass es nicht nur Einzelne in der SPD sind, die behaupten, es tue sich ein Spalt auf in der Regierung. Das erzählen Leute, die die Kanzlerin gut kennen. Merkel steht vor einer der schwierigsten Entscheidungen ihrer Amtszeit, es geht um die Frage, ob Griechenland im Euro bleiben darf oder ob sie das Drama mit einem Schrecken beendet. Der Schrecken heißt: Grexit.

Merkel möchte Griechenland im Euro halten. Nicht bedingungslos zwar, aber sie ist bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen.

Schäuble ist es nicht.

Er ist der Meinung, dass Europa…

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Nr. 25/2015