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Wirtschaft

Die Firma

In Hamburg hat sich eine aus dem Chaos geborene Kleiderkammer in ein professionelles Logistikunternehmen verwandelt.

JAKOB BOERNER / DER SPIEGEL
von
Dialika Neufeld
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Christian Schad, einer der Cheflogistiker, eilt eine Treppe hinunter in Halle B7 der Hamburger Messe, verschwindet zwischen Kartons, die sich auftürmen zu einer Großstadt aus Pappe, mit hohen Häusern und engen Gassen, taucht wieder auf und hat sie in der Hand: die Flüchtlingsuniform für den Winter.

Sie ist aus schwarzem Synthetikstoff, gefüttert mit Fleece, über die Ärmel laufen zwei schmale graue Streifen, auf die Brust haben chinesische Arbeiter das Emblem einer Hongkonger Firma gestickt. Christian Schad hält das Stück in die Luft, drückt mit den Daumen in den Stoff, versinkt darin. "Gar nicht so schlecht das Ding", sagt er.

Mit dieser Jacke werden männliche Flüchtlinge ab dem 4. Januar durch den deutschen Winter laufen. Dann erwartet Schad ein Containerschiff aus Hongkong mit 70 000 Stück an Bord, exklusiv produziert für die Kleiderkammer Messehallen. "Die hat ein reicher australischer Geschäftsmann gespendet", sagt Schad. "Ein Winterjackenproblem wird es dann nicht mehr geben."

Die chinesische Jacke erzählt viel darüber, was aus jenem wunderbar chaotischen Projekt geworden ist, das zum Symbol des Flüchtlingssommers wurde: zum Klubheim der Willkommenskultur, wo Tausende hinpilgerten, um zu helfen; wo es hip war anzupacken; wo man Selfies schoss vor Kleiderbergen und nach "Damen-T-Shirt Kurzarm S" sortierte oder nach "Herren-Unterhemd L". Wenige Monate nach ihrer Eröffnung ist die Kleiderkammer eine riesige wohltätige Logistikfirma. Mit…

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Nr. 52/2015