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Wirtschaft

„Die Eliten sind gefordert“

Siemens-Chef Joe Kaeser, 60, über globale Geschäfte in Zeiten von Protektionismus und Populismus sowie die Gefahr, dass die digitale Revolution zu gesellschaftlichen Verwerfungen führt

SLAVICA / DER SPIEGEL
von
Armin Mahler
und
Dinah Deckstein
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Wirtschaft

SPIEGEL: Herr Kaeser, überall auf der Welt bekommen die Populisten Zulauf, nimmt der Protektionismus zu. Geht die Ära der Globalisierung zu Ende?

Kaeser: Wir haben es in Wahrheit mit mehreren großen Herausforderungen zu tun. Neben dem verstärkten Hang zum Populismus zähle ich auch den Klimawandel dazu, die weltweite Migration, die Digitalisierung, also den Einzug des Internets in die Industrie, und eine erneute Zunahme des Kasinokapitalismus, also eine Betonung des kurzfristigen Denkens und Handelns statt einer langfristigen, nachhaltigen Entwicklung von Geschäften. Die Globalisierung hat allerdings eine ganz besondere Bedeutung, weil Populismus die Vorstufe des Nationalismus und damit auch des Protektionismus ist.

SPIEGEL: Bisher feierte die Wirtschaft die Globalisierung doch als einzigartige Erfolgsgeschichte. War das ein Irrtum?

Kaeser: Nein, Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg wie kein anderes Land von der Globalisierung profitiert. Wir waren und sind eine führende Exportnation. Viele haben aber gedacht, die Globalisierung sei eine Einbahnstraße, und jetzt kommt sozusagen auf einmal Gegenverkehr, durch die Migration, aber auch durch Menschen, die zu Recht ihren Anteil an der globalen Wertschöpfung verlangen.

SPIEGEL: Ist die Globalisierung zu weit gegangen?

Kaeser: Das glaube ich nicht, sie fußt ja auf Freiheit…

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Nr. 39/2017