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Die drei aus Nirgendwo

Der Abgasskandal von VW kostet den Konzern bisher rund 25 Milliarden Euro. Doch wo nahm er seinen Anfang? In einer Blechhalle in West Virginia, bei drei etwas wunderlichen Studenten.

ANDREW SPEAR / DER SPIEGEL
von
Philipp Oehmke
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Arvind, Hemanth und Marc, zwei Inder und ein Schweizer, waren eigentlich nur zum Studieren in die USA gekommen. Arvind Thiruvengadam aus Madras, Hemanth Kappanna aus Bangalore und Marc Besch aus Biel. Es hatte sie in den Bundesstaat West Virginia verschlagen, nicht gerade der Ort, von dem man in Madras oder Bangalore träumt, wenn man in die USA zieht. Wahrscheinlich noch nicht mal in Biel.

Der West Virginia University angeschlossen ist ein Institut für Emissionsforschung. Auch das ist nicht unbedingt die Fachrichtung, von der man träumt, wenn man um die dreißig ist und eine Karriere als Autoingenieur anstrebt. Das Institut nennt sich Center for Alternative Fuels, Engines and Emissions, kurz CAFEE, es befindet sich in einer unscheinbaren Blechhalle auf einer Lichtung in den Hügeln West Virginias, im Nirgendwo. Der nächstgrößere Ort heißt Morgantown, die nächstgrößere Stadt, die man kennen könnte, ist Pittsburgh.

Arvind, Hemanth und Marc fingen hier an, Abgase zu messen, erst an Lastwagen, dann an Personenwagen, bis sie versehentlich einen Skandal aufdeckten, dessen Folgen den damals größten Autohersteller der Welt an die Grenze seiner Existenz getrieben haben. Rund 25 Milliarden Euro, vor allem wegen Rückkäufen und Strafzahlungen aus Vergleichsverhandlungen, haben die Abgastests von Hemanth, Arvind und Marc den Volkswagen-Konzern bis heute gekostet – und ein Ende ist nicht in Sicht. Wegen einer Studie der drei Studenten stehen ehemalige deutsche VW-Manager heute auf FBI-Fahndungslisten, einer konnte in den USA verhaftet werden, andere sitzen in Deutschland in Untersuchungshaft. Ein deutscher Politiker nannte die Dieselaffäre den "größten Industrieskandal seit dem Zweiten Weltkrieg".

Marc und Arvind parken ihre Wagen vor der Blechhalle. Arvind kommt in einem BMW mit zwei fetten Auspuffrohren, Marc in einem alten Diesel-Jeep, Hemanth kommt vom Flughafen.

Sie sind an diesem Spätsommertag für den SPIEGEL noch einmal zusammengekommen, hier in der Halle auf einer Lichtung im Wald, wo alles begonnen hat. Vier Jahre ist es jetzt her, da haben sie angefangen, die Abgaswerte von zwei VW-Dieselautos zu testen. Viel hatten sie sich dabei nicht gedacht.

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Nr. 42/2017