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Wirtschaft

Die Daten-Sauger

Die digitale Ökonomie wird von Unternehmen wie Google, Amazon oder Alibaba beherrscht, deren Geschäftsmodell auf Daten und künstlicher Intelligenz basiert. Europa hat diese Entwicklung verschlafen. Ist es für eine Gegenwehr schon zu spät?

DER SPIEGEL
von
Armin Mahler
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Wirtschaft

Der Mann, der Millionen Kleinunternehmen aus den Klauen der globalen Digitalkonzerne retten will, wirkt mit seinem schütteren Haar, der Stoffhose und dem V-Ausschnitt-Pulli wie ein Fremdkörper in der hippen Berliner Start-up-Szene.

Im Gegensatz zu den meist jungen Gründern hat Marco Börries, 49, jedoch einiges vorzuweisen, was sein ehrgeiziges Ziel weit weniger größenwahnsinnig erscheinen lässt, als es klingt: Erfolge und Erfahrung, Kontakte und Geld. Und von alldem ziemlich viel.

Börries war 16 Jahre alt und Schüler, als er mit umgerechnet 2000 Euro Startkapital sein erstes Unternehmen, Star Division, gründete, das 1999, da war er 31, von Sun Microsystems im Silicon Valley übernommen wurde. Er gründete weiter, verkaufte die nächste Firma an Yahoo, wo er fortan selbst die Mobilsparte leitete. 2009 kehrte Börries nach Deutschland zurück, reich, aber offenbar immer noch hungrig.

Berlin-Mitte, Schönhauser Allee: Börries kommt im Smart von Car2go vorgefahren. Sein neues Unternehmen Enfore ist kaum zu finden in dem unscheinbaren Hinterhof, unter der Türklingel klebt ein kleines provisorisches Schild. Acht Jahre lang hat er hier und in Hamburg, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, an seinem Projekt gearbeitet, bevor Enfore im Herbst vergangenen Jahres an den Markt ging.

Enfore will kleine Firmen miteinander vernetzen, gemeinsam sollen sie agieren können wie große Unternehmen, die eigene IT-Abteilungen haben. Nur so können sie, davon ist Börries überzeugt, in der digitalen Welt überleben.

Diese Welt wird beherrscht von Tech-Konzernen wie Amazon, Apple und Google. Konzernen, die in immer mehr Branchen vordringen und etablierten Unternehmen das Leben schwer machen.

Amazon beispielsweise, vor nicht einmal 25 Jahren als kleiner Versandhandel für Bücher gestartet, verkauft heute nicht nur alles, was es zu kaufen gibt, der Konzern bietet auch Cloud-Dienstleistungen an, produziert Filme und Serien und ist mit seinem Sprachassistenten Alexa sogar in den Wohnzimmern seiner Kunden präsent. Und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis er weitere Branchen aufmischen wird, zum Beispiel den Gesundheitsmarkt oder das Kreditgeschäft.

Über Amazons Marketplace kann heute…

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Nr. 26/2018