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Wirtschaft

Die Angst vor dem G-Wort

Ein Großhändler wird sein Fleisch nicht los. Reisebüros stornieren Flüge. Zeitungen erscheinen mit weniger Seiten. Im Finanzministerium prüft ein Komitee den Import von Christbaumkugeln. Über ein Leben in der Krise.

NIKOS PILOS / DER SPIEGEL
von
Katrin Kuntz
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In ihrem Kühlschrank liegen eine Tomate, ein Stück Feta, eine Tüte mit grünen Bohnen, Toast und drei Eier. Vasiliki Katsoula müsste dringend einkaufen gehen. Doch das Geld soll noch für den ganzen Monat reichen, und sie muss die kranke Mutter versorgen. Deshalb steht sie seit zwei Stunden hier, vor der Nothilfeklinik in Athen, in der Nähe des Flughafens. Es ist viel los an diesem Tag. Seit die Bankautomaten nur noch höchstens 60 Euro am Tag ausgeben, kommen auch viele Griechen mit Versicherungskarte zur kostenlosen Klinik. Bisher bekamen sie ihre Medikamente gegen eine Zuzahlung in der Apotheke. Jetzt können und wollen sich viele das nicht mehr leisten. Die Nothilfeklinik versorgt sie umsonst.

Vasiliki Katsoula steht für Insulin an, das ihre Mutter braucht. Sie hat Glück, es zu bekommen, denn Mittel gegen Diabetes werden knapp, genauso wie Herzmedikamente und Tabletten gegen Bluthochdruck. Einige Pharmafirmen haben schon aufgehört, den griechischen Markt mit Medikamenten zu versorgen. Jetzt soll sich die Armee darauf vorbereiten, Arzneimittel zu produzieren. Die 100 Ärzte, die ehrenamtlich in der Nothilfeklinik arbeiten, planen weitere Ausgabestellen. Und diskutieren gerade mit ihren Mitarbeitern im Ausland, ob es besser sei, mit Bargeld nach Athen zu reisen oder die Medikamente gleich in großen Koffern mitzubringen.

Vasiliki Katsoula ist eine runde, kurzatmige Frau mit blondem Haar und Kreolenohrringen. Von der Lage in der Hauptstadt erzählt sie…

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Nr. 29/2015