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Politik

Der Zuchtmeister

Der neue Präsident der Philippinen Rodrigo Duterte nennt den Papst einen „Hurensohn“, will 100000 Kriminelle töten lassen und den Armen helfen – wer ist der Grobian wirklich?

JES AZNAR / DER SPIEGEL
von
Katrin Kuntz
Lesezeit 15 Min
Politik

Bevor Rodrigo Duterte sein Amt als Präsident antritt, könnte er sich hier in seiner Heimatstadt Davao auf der Insel Mindanao noch einmal so richtig feiern lassen, doch dann geschieht ein Missgeschick. Es ist ein schwüler Abend im Juni, 200000 Fans sind in einen Park gekommen, sie wollen ihren Bürgermeister bejubeln, der bald der wichtigste Mann der Philippinen sein wird.

Duterte betritt die Bühne im karierten Hemd, er streckt eine Faust Richtung Himmel, wie es sich für den ersten selbst ernannten linken Präsidenten der Philippinen gehört. Der Moderator reicht ihm ein Mikrofon.

Dann bewegt Duterte die Lippen. Aber es bleibt still. „Sound!“, johlen die Menschen, „Sound!“ Doch die Anlage ist defekt. Duterte könnte abbrechen, sich kurz fassen, aber natürlich tut er das nicht. Und so ist 40 Minuten lang kaum ein Ton zu hören, aber alle sehen die eindeutigen Gesten des künftigen Präsidenten:

Hand an der Kehle.
Zeigefinger säbelnd unter dem Kinn. Schießbewegungen mit Daumen und Zeigefinger.

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Ab Juli wird Rodrigo Duterte, 71 Jahre alt, Herrscher über 7107 Inseln und 100 Millionen Einwohner sein, über freundliche Menschen in einem Land voller Armut, Kriminalität und Korruption. Über ein Land, das auch an einer Schnittstelle der Weltpolitik liegt: Hier im Pazifik stehen sich die Großmächte China und USA gegenüber. Immer wieder kommen sich ihre Militärs gefährlich nahe, weil China ein gewaltiges Seegebiet beansprucht, das auch Alliierte der Amerikaner – unter anderem die Philippinen – für sich reklamieren.

Die Frage muss also nicht nur lauten: Wird Duterte ein guter Präsident für die Philippinen? Sondern auch: Wie gefährlich ist er an dieser Stelle?

Duterte ist hemdsärmelig, schwer berechenbar, gewaltbereit. Als der Papst in Manila zu Besuch war und der Verkehr noch zäher floss als sonst, nannte er ihn einen „Hurensohn“. 100 000…

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Nr. 26/2016