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Politik

„Der Papst hat recht“

Die Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht, 45, über ihr Nein zu einem linken Regierungsbündnis und die schönste Seite des Kapitalismus – seine Endlichkeit. 

CIRA MORO / DER SPIEGEL
von
Thomas Hüetlin
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Politik

SPIEGEL: Frau Wagenknecht, das Letzte, was wir von Ihnen gehört haben, war die Nachricht, dass Sie Ihren Lebensgefährten Oskar Lafontaine geehelicht haben. Planen Sie den Rückzug ins Private?

Wagenknecht: Ich weiß nicht, wo Sie Ihre Ohren hatten. Wenn Sie die politischen Debatten einigermaßen verfolgt hätten, würden Sie solche Fragen nicht stellen.

SPIEGEL: Eigentlich war aber doch Ihr Plan, im Herbst die Spitze der Linken-Fraktion zu übernehmen, zusammen mit Dietmar Bartsch. Warum haben Sie diesen Plan verworfen?

Wagenknecht: Ich hielt es für falsch, dass die Mehrheit meiner Fraktion der Verlängerung eines vermeintlichen Hilfsprogramms zugestimmt hat, das die griechische Regierung zu weiteren Privatisierungen, Renten- und Lohnkürzungen verpflichtet, obwohl die Vergangenheit gezeigt hat, dass das die Krise nur verschärft.

SPIEGEL: Die Verlängerung des Programms hatte aber auch zur Folge, dass Griechenland neue Kredite bekam. Die wollte sogar die Syriza-Regierung in Griechenland, die Sie so verehren.

Wagenknecht: Welche Kredite? Ich war immer stolz darauf, dass es mit der Linken wenigstens eine Partei gab, die dieser unsäglichen Verschleuderung von Steuergeld von Anfang an die Stimme verweigert hat. Griechenland war schon 2010 pleite, die Kürzungsdiktate haben die Schulden nicht reduziert, sondern weiter erhöht. Das Land…

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Nr. 24/2015