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Politik

Der Laborversuch

Dschibuti: Eines der kleinsten Länder Afrikas wurde von den Chinesen zum „strategischen Partner“ erklärt. Sie bauen hier riesige Freihandelszonen und unterhalten sogar eine Marinebasis. Beginnt nun ein besseres Leben?

DOMINIC NAHR / DER SPIEGEL
von
Dietmar Pieper
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Eine rote Staubwolke, und plötzlich steht da dieser Polizeiwagen auf der Piste zwischen den Felsbrocken. Der junge Mann in Uniform öffnet das Fenster und schimpft los, auf Französisch. Die von ihm gemaßregelten Chinesen verstehen nichts, aber langsam wird ihnen klar, woher die Aufregung kommt: Sie haben es versäumt, sich bei dem Wachposten anzumelden, der die Zufahrt zu der Großbaustelle oberhalb der Küste sichert.

Als der Polizist abdreht, entfährt es Nicholas Li: "Unglaublich, das ist doch meine Firma hier!" Das Unternehmen unter Führung der China Merchants Group soll in Dschibuti die größte Freihandelszone Afrikas errichten.

Li, der 37-jährige Firmenchef, kickt einen Stein von der Piste. Regeln sind Regeln, okay, die Tour im Geländewagen über das Geröllfeld geht weiter. Seinen Fahrer hat Li im Hauptquartier unten in der Stadt gelassen, er lenkt selbst, er hat die Dinge gern unter Kontrolle.

Da, wo die Bagger mit Spezialwerkzeug den felsigen Untergrund aufbrechen, sollen bald Fabriken, Lagerhallen, Büroklötze und Hotels stehen: eine Stadt aus dem Nichts, die bis hinunter ans Meer reicht, eine 48 Quadratkilometer große Einladung an Investoren aus der ganzen Welt.

Dschibuti ist eines der kleinsten Länder Afrikas, aber seit einigen Jahren wird hier ganz groß gedacht. Viele Menschen träumen davon, mit chinesischer Hilfe eine Erfolgsgeschichte zu schreiben wie die arabischen Golfstaaten oder Singapur. Es ließen sich tausend Gründe finden, warum in diesem ausgedörrten Land daraus nichts werden kann. Aber es gibt hier auch den Ehrgeiz, etwas zu riskieren und voranzukommen. Es geht um ein besseres Leben und um den Aufstieg in der Weltgesellschaft, die sich gerade neu ordnet.

Die globale…

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Nr. 6/2018