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Gesellschaft

Der Kult ums Neue

Jeder Deutsche kauft im Schnitt 13 Paar Socken im Jahr. Warum konsumieren wir so viel mehr, als wir benötigen? Der Wissenschaftler Frank Trentmann hat Antworten gefunden.

CHRISTIAN O. BRUCH / DER SPIEGEL
von
Alexander Jung
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Gesellschaft

"Moin", sagt Frank Trentmann zur Begrüßung. Der Historiker ist in Hamburg aufgewachsen, hat dort studiert, den Doktorgrad verlieh ihm die Harvard University. Seit 2000 forscht und lehrt Trentmann, 52, am Birkbeck College der University of London, wo schon der legendäre Universalhistoriker Eric Hobsbawm wirkte. In dem nun auf Deutsch erschienenen 1100-Seiten-Opus "Herrschaft der Dinge" (DVA; 40 Euro) zeichnet Geschichtsprofessor Trentmann ein faszinierendes und facettenreiches Bild des Konsumenten über sechs Jahrhunderte hinweg.

SPIEGEL: Herr Trentmann, wie viele Paar Socken kaufen Sie sich im Jahr?

Trentmann: Gar keine, ich lasse sie mir schenken. Ich schätze, es sind vier Paar.

SPIEGEL: Da sind Sie aber genügsam. Jeder Deutsche kauft sich im Schnitt 13 Paar im Jahr, außerdem 7 Paar Schuhe, und er besitzt 95 Kleidungsstücke. Warum konsumieren wir so viel mehr, als wir benötigen?

Trentmann: Konsum ist heute ein wesentliches Merkmal unseres Lebens. Unsere Identität wird zum großen Teil davon bestimmt, was und wie wir konsumieren. Wir drücken uns über die Dinge aus, die wir kaufen.

SPIEGEL: Aber wieso müssen es solche Massen sein?

Trentmann: Das liegt zum Teil daran, dass wir heute unsere Identität ständig verändern – oder wir glauben dies zumindest. Diesen Wandel wollen wir mitteilen und legen uns…

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Nr. 33/2017