Lesezeit 7 Min
Kultur

Der Klangforscher

Der deutsche Pianist Nils Frahm hat es in den vergangenen Jahren zu internationalem Ruhm gebracht – dabei ist er vielen hierzulande gar kein Begriff. Über ein Experiment der Popkultur, das aus der Zeit gefallen scheint

GORDON WELTERS / DER SPIEGEL
von
Jurek Skrobala
Lesezeit 7 Min
Kultur

Nils Frahm, der gleich ein ausverkauftes Konzert im Berliner Funkhaus spielen soll, hat Angst vor dem Licht. An diesem Tag Ende Januar steht er in seinem Studio, ein Stockwerk unter jenem Konzertsaal, und blickt auf eine Lampe. Ihr Licht pulsiert subtil. Doch Frahm sagt: »Es flackert bei zwei Hertz.« Das war schon mal so, später fiel der Strom im Block B des Funkhauses aus. Frahm zögert nicht, er ruft den Elektriker an.

Der Hamburger Frahm, 35, ist still, fast unmerklich über die Grenzen Deutschlands hinweg zu einem gefeierten Musiker geworden. Der »Guardian« schrieb kürzlich über ihn, er sei »möglicherweise der populärste Solopianist auf der Welt«. Seine Kunst zieht große Namen der Musikindustrie an, den einflussreichen US-Produzenten Rick Rubin oder den kalifornischen R & B-Star Frank Ocean etwa, auf Spotify hat sie mehr als zwei Millionen Hörer im Monat.

Einen »Nischenmusiker« nennt er sich und ist doch, seit Mitte der Nullerjahre, nach sieben Soloalben, diversen Kollaborationen und einigen Filmmusiken (»Victoria«), fast in den Mainstream vorgedrungen, obgleich er sich von jeher gängigen Mechanismen der Musikindustrie entsagt: Frahms Alben erscheinen bei einem kleinen Label mit dem aus der Zeit gefallenen Namen Erased Tapes Records. Er spielt, wie er sagt, nur Konzerte, die an ihn herangetragen werden. Zu den Konzerten bringt er, der seit seiner Kindheit Klavier spielt, eine Armada von Tasteninstrumenten mit, analog und digital, Synthesizer und…

Jetzt weiterlesen für 0,83 €
Nr. 20/2018