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Gesellschaft

Der Kampf der Soziopathen

Amerikas Krieg gegen die Drogen ist nicht zu gewinnen und wird dennoch fortgesetzt. Don Winslow erzählt auf 800 Seiten von dem Irrsinn an der Grenze zu Mexiko.

MAX S. GERBER / DER SPIEGEL
von
Philipp Oehmke
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Gesellschaft

Manchmal, sagt Don Winslow, jagen die uniformierten Männer von La Migra die Mexikaner bis hier oben, bis auf die Felder seiner Ranch. La Migra, so wird im Süden Kaliforniens, wo die meisten Menschen Spanisch sprechen, die amerikanische Border Patrol genannt, jene Behörde, die mit Zäunen, Mauern, Hubschraubern und Infrarotgeräten relativ vergeblich versucht, den Menschen- und Drogenschmuggel von Mexiko in die USA aufzuhalten.

Don Winslow steht in der Einfahrt seiner Ranch in den Bergen bei San Diego neben seinem schwarzen Ford Mustang. Er lebt hier seit 25 Jahren, seit ihn ein Auftrag als Privatdetektiv von New York nach Kalifornien geführt hat. Seitdem beschäftigt ihn dieses Mexiko, dort, 30 Meilen hinter den Bergen, vor allem seine Narco-Kultur und Narco-Ökonomie, wie Winslow es nennt, die hier über die Grenze einsickern.

Woran man das sieht?

Man sieht das Narco-Geld überall, sagt Winslow.

In den weißen Villen am Strand in La Jolla zum Beispiel, an den Lincoln-Navigator-SUV mit mexikanischem Kennzeichen im Valet-Parking der Luxusmalls in Laguna Beach, aber am deutlichsten sieht man das Narco-Geld mitten in San Diego. Dort stehen am Grenzübergang San Ysidro, wo aus dem amerikanischen San Diego das mexikanische Tijuana wird, drei Luxusglastürme mit Eigentumswohnungen, 13 Stockwerke hoch. Die gehörten dem Baja-Kartell. Oben in den Wohnungen standen die Narcos mit Feldstechern am Fenster und beobachteten die von ihnen bestochenen…

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Nr. 23/2015