Lesezeit 9 Min
Kultur

„Der geht ab“

Die Bayreuther Festspiele bieten wieder Sommertheater. Diesmal: das Drama vom flüchtigen Dirigenten. Mit Andris Nelsons, Christian Thielemann – und Klaus Florian Vogt als Parsifal.

SLAVICA / DER SPIEGEL
von
Joachim Kronsbein
Lesezeit 9 Min
Kultur

Der Erlöser kommt auf seiner Harley. Klaus Florian Vogt, einer der bedeutenden Heldentenöre der Gegenwart, ist vom Festspielhaus die wenigen Hundert Meter zum Restaurant Bürgerreuth den Hügel hinaufgefahren. Probenende.

Bei den Bayreuther Festspielen ist er für die Titelrolle im "Parsifal", Richard Wagners letzter Oper, engagiert. Sie spielt in sagenhafter ferner Zeit. Es geht darin um den Heiligen Gral, den Speer, der dem Heiland am Kreuz eine Wunde geschlagen hat, und um einen König, der mit seinen Gralsrittern das Gute in die Welt bringen will. Und um einen, der alle Leidenden erlösen kann: Parsifal, den "reinen Tor".

In Bayreuth ist gerade nichts mehr gut.

Wieder einmal hat sich wenige Wochen vor der Eröffnungspremiere am 25. Juli eine Affäre zusammengebraut. Andris Nelsons, 37, der "Parsifal"-Dirigent, ist abgängig. Er ist aus einem Kurzurlaub in seiner lettischen Heimat nicht zurückgekehrt. Eine Mail seines Managements an die Presse, in der es heißt, Nelsons habe um Auflösung seines Vertrags gebeten, die "Atmosphäre" habe sich "für alle Beteiligten" schließlich "nicht angenehm entwickelt". Das war's.

Viele Beteiligte an der Produktion können Nelsons' Absage sogar verstehen. Auch Klaus Florian Vogt. Er sagt, er habe Respekt vor Nelsons' Entscheidung und verstehe, dass der Dirigent gegangen sei. Vogt wundert sich, "dass es jetzt niemand gewesen sein will". Niemand, der die Verantwortung für die Pleite übernehmen will.

Jetzt weiterlesen für 0,87 €
Nr. 29/2016