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Wirtschaft

"Der Euro ist gescheitert"

Oskar Lafontaine, 71, fordert das Ende der europäischen Gemeinschaftswährung und kritisiert den deutschen "Exportnationalismus".

BERT BOSTELMANN / DER SPIEGEL
von
René Pfister
und
Thomas Hüetlin
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Wirtschaft

SPIEGEL: Herr Lafontaine, Europa ist zerstritten wie selten zuvor. Die Griechen lehnen die Sparvorschläge der Gläubiger ab, die Regierung in Athen beschimpft den Rest Europas, der Rest Europas wiederum denkt darüber nach, Griechenland aus dem Euro zu befördern. Wir wollen Sie mit Lenin fragen: Was tun?

Lafontaine: Der Euro ist ein Rückschritt im historischen Projekt der europäischen Integration. Viele Beobachter, quer durch alle Länder Europas, weisen darauf hin, dass die Völker Europas nicht näher zusammengerückt sind, sondern dass sie sich eher wieder voneinander entfernen. Bedenklich ist das Erstarken nationalistischer Parteien, zum Beispiel in Frankreich, wo der rechtsradikale Front National Chancen hat, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen.

SPIEGEL: Warum ist das so?

Lafontaine: Der entscheidende Fehler der Währungsunion war, dass ihr keine politische Union vorausgegangen ist. Ohne eine europäische Wirtschaftsregierung kann eine gemeinsame Währung nicht funktionieren. Das erleben wir jetzt. Weil bei uns die Löhne nicht so gestiegen sind, wie es notwendig gewesen wäre, blüht der deutsche Exportnationalismus, und zwar schon seit Jahren. Die Folge ist, dass Länder wie Italien und Frankreich immer mehr industrielle Marktanteile verlieren. Eine von Deutschland aufgezwungene Arbeitslosigkeit kann aber nicht die Basis einer europäischen Einigung sein.

SPIEGEL…

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Nr. 29/2015