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Wirtschaft

Der Elektro-Schock

Das Auto der Zukunft fährt autonom und wird von Batterien angetrieben. Daimler, VW und BMW stehen vor dem größten Umbruch ihrer Geschichte. Kann der Neustart gelingen?

MARKUS HINTZEN / DER SPIEGEL
von
Simon Hage
und
Dietmar Hawranek
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Wirtschaft

Mercedes-Benz, Werk Untertürkheim: Es bedarf einer speziellen Zugangskarte, um auf die Teststrecke zu gelangen. Fahrzeuge, die dort über Rüttel- und Schlaglochstraßen gefahren werden, ermöglichen einen Blick in die Zukunft. Außenstehenden soll er meist verwehrt bleiben.

An einem kalten Wintertag aber zeigen Mercedes-Techniker, worauf sie besonders stolz sind: einen Lastwagen, einen 26-Tonner, der nahezu lautlos fährt und keine Abgase ausstößt. Seine Hinterachse wird elektrisch angetrieben, der Strom kommt aus Lithium-Ionen-Akkus und ermöglicht Fahrten bis zu 200 Kilometern.

Erste Anfragen von Supermarktketten gibt es bereits. Sie könnten den Elektrolaster im städtischen Verteilerverkehr einsetzen, bei dem die Waren vom Lager zu den einzelnen Geschäften gebracht werden. Wolfgang Bernhard, der Chef von Daimlers Lastwagensparte, gesteht: "Vor ein, zwei Jahren habe ich noch gesagt: Das funktioniert nie." Nun will er den E-Laster 2020 auf den Markt bringen.

BMW, Eching bei München: Maik Schoeneich arbeitet hier in einer Testanlage des Autobauers. Zuvor war der Ingenieur für BMW auf Auslandseinsatz in Shenyang, einer Millionenstadt im Nordosten Chinas. Dort hatte er sein Erweckungserlebnis.

Wenn Schoeneich das Hotel verließ, sorgten die Abgase Hunderttausender Autos dafür, dass er schlecht Luft bekam, husten musste und kaum weiter als 50 Meter sehen konnte. Zurück am BMW-Stammsitz in München, machte sich Schoeneich Gedanken über die Zukunft des Autos, und auch über seine persönliche.

Als Akustikexperte arbeitete er daran, den Sound von Verbrennungsmotoren zu optimieren. Das klang nicht nach Zukunft. "Ich habe noch 20 Jahre meines Berufslebens vor mir", sagt der Ingenieur, "da lohnt es sich, was Neues zu machen."

Schoeneich entschied sich für den Wechsel in die neue Welt, die der lautlosen und abgasfreien Elektroantriebe. Er belegte den Masterstudiengang Elektromobilität und Fahrzeugelektrifizierung an der TU München, was seinen Aufstieg im Unternehmen beförderte. Jetzt testet Schoeneich für BMW Elektroautos.

Volkswagen, ein Backsteinbau in Wolfsburg: In der ehemaligen Gießerei sind ein Badmintonfeld, eine Carrera-Rennbahn und ein Tischkicker aufgebaut. Als Johann Jungwirth an diesem Morgen zur Arbeit kommt, hört er das Plopp, Plopp von einer Tischtennisplatte. "Toll", sagt er. "Nach sieben Jahren Silicon Valley fühlt sich das wie zu Hause an."

Jungwirth hat bei Apple an der Entwicklung autonom fahrender Autos gearbeitet. Jetzt soll der 43-Jährige als Chief Digital Officer den VW-Konzern in die Zukunft führen. Zur Arbeit erscheint Jungwirth in blauem Pullover. Er hat kein Einzelbüro, sondern einen…

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Nr. 4/2017