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Politik

Der dritte Mann

Jeb Bush gilt als Favorit der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 2016. Um zu gewinnen, distanziert er sich von seiner Partei und seiner Familie. Aber wofür steht er dann? Eine Reise durch den amerikanischen Vorwahlkampf.

BROOKS KRAFT / DER SPIEGEL
von
Holger Stark
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Politik

Es ist ein Auftritt auf feindlichem Terrain, dabei soll er nur vor der eigenen Partei sprechen. Jeb Bush streicht sich nervös den Anzug glatt, dann tritt er auf die Bühne des Gaylord-Kongresszentrums bei Washington. Vor ihm sitzen 10 000 Anhänger der Republikaner, viele unterstützen die Tea Party, dies hier ist das Jahrestreffen der American Conservative Union, das wichtigste Treffen von Amerikas Konservativen. Es wird laut, Buhrufe, einer der Besucher springt auf und brüllt: "Verschwinde, du nervst!" Der Anführer der Bush-Gegner schwenkt eine Amerika-Fahne und verlässt den Saal, seine Leute folgen ihm, sie rufen: "USA! USA!" Als ob Jeb Bush ein Vaterlandsverräter wäre.

"Mit mir wird es keinen Plan geben, elf Millionen Menschen zu deportieren", ruft Bush den Störern hinterher. "Wir müssen die Latinos und jungen Menschen für uns gewinnen!" Seine Gegner sollten ihm doch eine Chance geben, sagt er. Die Anhänger der Tea Party antworten mit Sprechchören: "No more Bushes! No more Bushes!"

In den Abendnachrichten heißt es, Jeb Bush sei präsidiabel gewesen. In der Partei heißt es, er sei zu moderat.

Das ist das Dilemma von John Ellis Bush, 62, genannt Jeb. Der Sohn und Bruder zweier ehemaliger Präsidenten war bis Herbst vergangenen Jahres ein gemütlicher, mitunter gelangweilter Exgouverneur ohne Amt. Jetzt gilt er als aussichtsreichster Präsidentschaftsbewerber der Republikaner in einem Rennen gegen Hillary Clinton – aber in seiner eigenen Partei schlägt ihm tiefe Abneigung entgegen. Das hat mit seiner Sicht auf Einwanderer zu tun, die vielen Republikanern zu liberal ist. Aber es hat auch mit seiner Herkunft zu tun. Würde er gewählt, wäre er der dritte Bush im Weißen Haus, Abkömmling einer Politdynastie, die wirkt, als erhöbe sie ein Anrecht auf die Macht.

Jeb Bush versucht deshalb ein gewagtes politisches Manöver: Er hält größtmöglichen Abstand zu seiner Partei und zu seiner Familie. Auf seinen Wahlkampfaufklebern steht nur der Schriftzug "Jeb!", ohne Nachnamen, ohne Partei.

Kann er auf diese Weise das Land erobern? Und auf was setzt Jeb Bush, wenn nicht auf seine Partei und seine Familie, die zwei wichtigsten Fixpunkte im Leben eines Konservativen?

Diese letzte Frage stellt Fergus Cullen, er hat Jeb Bush an einem…

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Nr. 24/2015