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Kultur

»Das Tollste wäre eine Wanze im Beichtstuhl«

Für das Stasi-Drama »Das Leben der Anderen« gewann Florian Henckel von Donnersmarck einen Oscar. Wird der Regisseur auch mit seinem neuen Film »Werk ohne Autor« Geschichte schreiben?

MATTHIAS HASLAUER / DER SPIEGEL
von
Ulrike Knöfel
,
Martin Wolf
und
Susanne Beyer
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Donnersmarck ist viel unterwegs in diesen Tagen. Am 29. August beginnen die Filmfestspiele von Venedig, sein neuer Spielfilm »Werk ohne Autor« läuft dort im Wettbewerb um den Goldenen Löwen, anschließend beim Festival in Toronto. Am 3. Oktober kommt der Film in Deutschland in die Kinos. »Werk ohne Autor«, ein Drei-Stunden-Epos, ist eine Art Comeback für den 45-jährigen Regisseur. Nach seinem Debüt, dem Stasi-Drama »Das Leben der Anderen«, galt Donnersmarck als das Wunderkind des deutschen Films. Er wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, 2007 sogar mit einem Oscar. Donnersmarck zog nach Los Angeles und drehte 2010 seinen ersten und bisher einzigen Hollywood-Film, den Thriller »The Tourist« mit Angelina Jolie und Johnny Depp. Anschließend wurde es ruhig um Donnersmarck – bis jetzt.

SPIEGEL: Herr Henckel von Donnersmarck, »Werk ohne Autor« ist erst Ihr dritter Spielfilm. Warum hat es so lange gedauert, bis wieder ein Film von Ihnen in die Kinos kommt?

Donnersmarck: Ich habe an diesem Film über vier Jahre lang gearbeitet. Und weil ich weiß, dass ich lange brauche, muss ich auch vorsichtig auswählen: Ich muss mir sicher sein, dass mich ein Filmstoff wirklich begeistert. Wenn ich mich zum Beispiel mehrere Jahre mit irgendwelchen »Transformers« beschäftigen müsste, diesen Filmen mit Spielzeugrobotern, würde ich mich vermutlich sehr langweilen.

SPIEGEL: Aber wenn Sie ein gutes Thema gefunden haben ...

Donnersmarck: Dann kann ich praktisch an nichts anderes denken. Selbst wenn ich mit meinen Kindern irgendetwas spielen soll, dann merken die, ich bin nicht ganz da, weil ich die ganze Zeit über meinen Film nachdenke.

SPIEGEL: Sie verziehen sich dann in Ihre Fantasiewelt? Ist das bei jedem Film so?

Donnersmarck: Ja. Mein Bruder Sebastian, der ein Jahr älter ist als ich, hat mich als Kind oft verspottet. Ich hatte nämlich zwei Leidenschaften: Die eine war die europäische Literatur des 20. Jahrhunderts, vor allem deutsche und russische, mit meiner großen Sammlung von Original- und Erstausgaben. Und meine andere Leidenschaft war mein Puppenhaus. Ich konnte mich als Kind stundenlang damit beschäftigen, das…

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Nr. 35/2018