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Gesellschaft

»Das schmerzt selbst Facebook«

Der österreichische Aktivist Max Schrems über seinen Kampf gegen den Missbrauch persönlicher Daten, die Ende Mai in Kraft tretenden EU-Regeln und seine neue Organisation, mit der er zusätzliche Nutzerrechte durchsetzen will

REINER RIEDLER / DER SPIEGEL
von
Marcel Rosenbach
und
Richard Gutjahr
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Gesellschaft

SPIEGEL: Herr Schrems, Sie haben vor gut sechs Jahren Beschwerde gegen Facebook eingelegt, unter anderem weil das Netzwerk Nutzerdaten an App-Betreiber weitergegeben hatte. Hätte es den aktuellen Datenskandal überhaupt gegeben, wenn die zuständigen irischen Datenschützer damals eingeschritten wären?

Schrems: Ganz klar: nein. Ich habe in meiner Beschwerde genau das angeprangert, was jetzt mit Cambridge Analytica erneut geschehen ist. Die irische Behörde hätte diese Praxis damals eindeutig verbieten müssen.

SPIEGEL: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat sich öffentlich entschuldigt und musste sich von Kongress und Senat befragen lassen. War das für Sie ein Triumph?

Schrems: So persönlich sehe ich das nicht. Aber, zugegeben: Ich fand es schon faszinierend und habe es mir natürlich live angeschaut, mit Popcorn.

SPIEGEL: In seiner Befragung hat Zuckerberg Besserung gelobt. Kaufen Sie ihm das ab?

Schrems: Das kann ich nicht ernst nehmen. Wir hören seit der Gründung von Facebook immer neue Entschuldigungen, ich habe aufgehört, sie zu zählen. Der Auftritt war natürlich ein großes Schauspiel, von allen Beteiligten. Einige Aussagen waren aber wirklich interessant. Zuckerberg behauptete beispielsweise, er wisse nicht genau, wie das Tracking funktioniert, mit dem Facebook das Verhalten seiner Nutzer zu Werbezwecken auch außerhalb des Netzwerks weiterverfolgt. Das kann für spätere Auseinandersetzungen juristisch hilfreich sein.…

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Nr. 18/2018