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Wirtschaft

„Das schafft fast keiner“

Die Post will Pakete künftig von eigens gegründeten Billigfirmen zustellen lassen, die Gewerkschaft Ver.di will dies mit aller Macht verhindern. Dem Land steht ein wochenlanger Streik um die Frage bevor: Was ist Arbeit eigentlich wert?

GENE GLOVER / DER SPIEGEL
von
Frank Dohmen
,
Kristina Ludwig
und
Armin Mahler
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Wirtschaft

Wer in diesen Tagen mit Jürgen Gerdes spricht, erlebt einen Menschen, der, so sagt er es jedenfalls, nicht versteht, was gerade passiert. Der den Konflikt, in dessen Mittelpunkt er steht, nicht nachvollziehen kann. Und dem viele Fragen durch den Kopf gehen.

Solche Bekenntnisse, ob echt oder gespielt, sind bemerkenswert für einen Mann, der dem Vorstand eines Weltkonzerns angehört. Und der in den Augen seiner Widersacher wesentlich mitverantwortlich ist für eine Auseinandersetzung, die möglicherweise über viele Wochen hinweg die Republik bewegen wird.

Gerdes, 50, ein Manager der zupackenden Sorte, betreut bei der Deutschen Post DHL Gruppe das Vorstandsressort Briefe und Pakete. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat die Mitarbeiter dieses Bereichs nach mehreren Warnstreiks zu einem unbefristeten Streik aufgerufen, der am vergangenen Dienstag begann.

Am Donnerstag befanden sich nach Angaben der Gewerkschaft 16 000 Beschäftigte im Ausstand, darunter mindestens 6500 Zusteller. Die Post behauptet, die Auswirkungen hielten sich in Grenzen, Ver.di meldet, dass sich die Sendungen in den Sortierzentren stapeln.

In den nächsten Wochen will Ver.di den Druck immer weiter steigern. Bis die Konzernführung um Post-Chef Frank Appel endlich nachgibt.

Ver.di will verhindern, was sich Gerdes und seine Kollegen ausgedacht haben: Die Post hat für die Zustellung der Pakete eigene Gesellschaften gegründet, die Mitarbeiter weit unter den bei…

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Nr. 25/2015