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Wirtschaft

Das Risiko-Paradox

Die Gasförderung per Fracking treibt Tausende Bürger auf die Straßen. Der Streit in einem niedersächsischen Dorf zeigt, warum sich diese Technik wohl nicht durchsetzen wird.

MARIA FECK / DER SPIEGEL
von
Timo Steppat
und
Gerald Traufetter
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Wirtschaft

An den Reifen des Traktoranhängers wächst Löwenzahn empor. Die kaputte Uhr auf der Ladefläche rostet vor sich hin, und der Slogan auf dem Plakat darunter verblasst in der Sonne.

Er lautet: "5 vor Frack".

Jochen Kaliner läuft mit gleichgültiger Miene an dem Gefährt und seiner kryptischen Botschaft vorbei. Schließlich steht der Werksleiter von ExxonMobil vor einer asphaltierten Fläche, so groß wie ein Fußballfeld.

In der Mitte ragt ein baumdickes Rohr aus dem Boden. "Hier soll schon seit Jahren Gas gefördert werden", sagt der kräftige Mann, der jetzt genervt durch seine randlose Brille schaut. Mit einem Seufzer fügt er hinzu: "eigentlich".

Kaliner, 58, Ingenieur, hat einen Helm aufgesetzt. So ist es Vorschrift, wenn man eine Erdgasförderanlage betreten will, auch, wenn der Hahn abgedreht ist. Kaliner führt gern Besuchergruppen an die Förderstätte Z11 in Bötersen, unweit der niedersächsischen Stadt Rotenburg. Er will ihnen zeigen, was sich für ein Irrsinn zwischen Bundesstraße und Maisfeld abspielt.

So sieht er das jedenfalls. Im Jahre 2011 hat er an dieser Stelle bohren lassen, 4800 Meter tief. "Eine technische Meisterleistung, perfekt ausgeführt", sagt Kaliner. Kosten: 20 Millionen Euro. In der Tiefe knickt der Bohrstrang ab und verläuft mehrere Kilometer in der Waagerechten. "Doch wir dürfen nicht ans Gas ran", stöhnt er.

Dafür müsste er eine Flüssigkeit mit hohem Druck in das Bohrloch pressen, die den Sandstein aufbricht. "So lange, bis das Gas durch die Risse ins Bohrloch strömt…

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Nr. 43/2015