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Politik

„Das Risiko ist erheblich“

In einem Geheimbericht warnt die Nato davor, dass man einem Angriff Russlands nicht gewachsen sei. Führende Militärs fordern eine Rückkehr zu den Kommandostrukturen des Kalten Krieges.

MARTIN LUKAS KIM / DER SPIEGEL
von
Matthias Gebauer
,
Konstantin von Hammerstein
,
Peter Müller
und
Christoph Schult
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Politik

Das 2. Kavallerie-Regiment ist einer der ältesten Verbände der US-Armee. Schon 1846 kämpften Soldaten der Einheit gegen die Mexikaner. In den Indianerkriegen zwei Jahrzehnte später geriet ein Teil des Regiments in einen Hinterhalt und wurde skalpiert. 1905 schlugen die Kavalleristen einen Aufstand auf den Philippinen nieder. Die Truppe war in zwei Weltkriegen im Einsatz und wurde mehrmals in den Irak und nach Afghanistan verlegt.

Am 18. Juli 2017 traf die 1. Schwadron des stolzen Regiments auf einen Gegner, dem sie nicht gewachsen war. An der rumänisch-bulgarischen Grenze staute sich der Konvoi der US-Kavallerie vor einem Grenzübergang. "Anderthalb Stunden saßen wir in unseren Panzern in der Sonne und warteten auf irgendwelche Typen, die mit der Hand unsere Papiere abstempeln mussten", zitiert der amerikanische Onlinedienst Defense One Colonel Patrick Ellis, den Kommandeur der Einheit.

Was in Friedenszeiten wie eine Posse wirkt, könnte im Ernstfall die Verteidigungsfähigkeit der Nato infrage stellen. Seit der russischen Annexion der Krim 2014 bereitet sich das westliche Bündnis darauf vor, das eigene Gebiet notfalls wieder gegen einen Aggressor zu verteidigen. Doch die Grenzbürokratien der 29 Mitgliedstaaten bremsen Truppenkonvois vermutlich effizienter aus als jede russische Panzersperre. Und das Problem ist nicht allein die Bürokratie.

Seit Ende Juni kursiert im Brüsseler Hauptquartier der Allianz ein geheimer Report ("NATO SECRET"), der die…

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Nr. 43/2017