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Wirtschaft

Das nächste Kartell

Ein weiterer Verdacht belastet die deutsche Autoindustrie. VW, Daimler, BMW und Bosch sollen sich seit Jahrzehnten beim Einkaufspreis für Stahl abgestimmt haben. Auch der Verband der Automobilindustrie war beteiligt.

SIMON PRADES / DER SPIEGEL
von
Frank Dohmen
und
Dietmar Hawranek
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Der 23. Juni 2016, ein Donnerstag, war ein außergewöhnlich heißer Tag. In Stuttgart, München und Wolfsburg wurden um die 30 Grad gemessen. Einige der Herren, die bei Daimler, Bosch, BMW und VW Einlass in die Büros von Vorstandsmitgliedern und anderen Managern begehrten, trugen T-Shirt. Sie hatten keinen Termin, aber einen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Bonn, der ihnen Zugang zu den Machtzentren der deutschen Automobilindustrie und wichtiger Zulieferer verschaffte.

Die Männer und wenige Frauen vom Bundeskriminalamt und von diversen Landeskriminalämtern waren auf der Suche nach Belegen für ein Kartell. Die großen Automobilhersteller und einige ihrer Zulieferer sollen, so der Verdacht des Bundeskartellamts, jahrelang Preise abgesprochen haben.Und das womöglich über Jahrzehnte. Nicht die Preise, zu denen sie ihre Fahrzeuge oder Autoteile verkaufen. Es geht um wesentliche Teile des Preises, zu dem sie den Rohstoff Stahl einkaufen.

"Ziel der mutmaßlichen Absprachen", heißt es in den mehrseitigen Durchsuchungsbeschlüssen, sei es gewesen, "die Einkaufspreise für Stahl in der Automobilindustrie zu vereinheitlichen und hierdurch eine Kostenangleichung herbeizuführen". Das Kartellamt geht davon aus, dass es die Absprachen bereits in den Neunzigerjahren gab, "jedenfalls aber wieder seit März 2007 und bis Februar 2013". Und auch für die Jahre bis 2016 haben die Ermittler Anhaltspunkte für Absprachen gefunden.

Solche Absprachen wären das Gegenteil von Wettbewerb. VW, Daimler und BMW hätten nicht mehr darum konkurriert, den Stahl billiger als die Wettbewerber einzukaufen und diesen Vorteil an die Kunden in Form niedrigerer Preise…

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Nr. 5/2018